zur Startseite
Pfad zur Seite:Startseite - Aktuelles - StadtverbandsInfo Bremerhaven - Stadtverbandsinfoarchiv Brhv - Archiv - Stadtverbandsinfo - 02/05 - Lemke sucht Konflikt

02/05 - Lemke sucht Konflikt

Seitenabschnitte:
Aufruf zur Teilnahme an einer Aktion unter dem Codewort „vollgepackter Rucksack“
Lemke sucht den Konflikt
Schon mal vormerken:

Aufruf zur Teilnahme an einer Aktion unter dem Codewort „vollgepackter Rucksack“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie bereits mit knallrotem Plakat angekündigt, findet am

Dienstag, den 22.Februar 2005
eine Begehung des Ausschusses für Schule und Kultur statt.

Zielrichtung der Aktion ist die Konfrontation von PolitkerInnen mit den Wirkungen ihrer Beschlüsse:

Abgebildet werden sollen die permanent steigenden Arbeitsbelastungen für Lehrkräfte durch Beschlüsse der Großen Koalition in Stadt und Land und der ungebremst zunehmende Trend zur Verordnung bürokratischer Maßnahmen. Die inhaltliche Gestaltung der Aktion ist vorbereitet, sie wird beeindruckender, wenn wir mit vielen KollegInnen in der Sitzung auftauchen. Deshalb: Beteiligt euch: Die o.g. Sachverhalte gelten für alle Schulstufen.

Wir treffen uns um 15.45 Uhr unter den Arkaden, Stadthaus 1

Das „Hin- und Herschieben“ der Verantwortung zwischen Landes- und Kommunalpolitikern muss unterbunden werden. Befassen wir also die schulpolitischen Experten der Stadtverordnetenversammlung direkt mit unseren Anliegen!

Lemke sucht den Konflikt

(Gesamttext der Presseerklärung der GEW zum Lemke-Brief)

In den Tagen um den Halbjahreswechsel schrieb Senator Lemke einen Brief an die „Lehrerinnen und Lehrer der Schulen der Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven“ zu ihrer Arbeitssituation. Partiell vorhandene Erwartungen in den Lehrerkollegien, auf Seiten der Behörde aus den letzten bildungspolitischen Erkenntnissen nachvollziehbare Rückschlüsse gezogen zu haben, wurden erneut enttäuscht. Lemke flüchtet sich vielmehr in vordergründiges Verständnis für die Situation der Lehrkräfte. Mehr als Durchhalteparolen hat er nicht zu bieten. Die Zeit, in der Beschwichtigungen auf Resonanz stießen, ist jedoch endgültig vorbei.

Lemke hinterfragt in seinem Schreiben keine seiner Entscheidungen, blendet die soziale Lage in den Schulen völlig aus und reiht sich in die Verfechter einer neoliberaler (Wirtschafts-)Ideologie ein. Ihm fehlt in seinen Ausführungen auch nur ansatzweise eine Vision für das bremische Schulsystem. Was bleibt, sind Ankündigungen weiterer Belastungen, die zum Wohle aller verordnet und „mittelfristig“ wirksam werden (sollen).

Eine kleine Auswahl aus dem Schriftsatz mag das Denkschema der Behörde beleuchten, der es nicht gelingt, die erfolglosen Spuren zu verlassen:

Mit dem Hinweis, es gebe vergleichbare Belastungen in „nahezu allen Arbeits- und Lebensbereichen“, da erhebliche Kostenreduzierungen vorgenommen werden müssen, versucht Lemke dem Sachverhalt von Mehrarbeit bei Gehaltskürzungen zu begegnen. Er reiht sich so stromlinienförmig in die Riege der hochdotierten „Verzichtsverfechter“ ein. Unbeachtet bleibt die Tatsache, dass andere Staaten anteilig weitaus mehr Geld in die Bildung stecken als Deutschland. Nicht nachvollziehbar ist, dass der Senator nicht mit aller Entschiedenheit eine Gleichstellung mit international als notwendig erkannten Bedingungen einfordert. Der Hinweis „auf das hohe Gut eines sicheren Arbeitsplatzes“ auch weiterhin vertrauen zu können, nimmt dabei lediglich öffentlich geschürte Missgunst gegenüber Staatsbediensteten auf – dieses „Argument“ ist nach den Kürzungsrunden im Öffentlichen Dienst der letzen Jahre lange verbraucht.

Unangetastet bleiben sollen dagegen Entscheidungen, welche die pädagogische Arbeit in den Schulen betreffen. Seine „Bitte“, die „konkretisierten Aufgaben der Leistungsbewertung und der individuellen Förderung ... offensiv anzunehmen“, ignoriert jahrelang vorliegende Praxiserfahrungen hinsichtlich einer förderorientierten Leistungsfeststellung. Lemke drückt sich mit der o. g. Formulierung einerseits um eine klare Positionierung zur Frage des Nutzens von Zensuren in der Grundschule und versteckt sich hinter dem unsinnigen Beschluss der Großen Koalition, Leistungsberichte und Zensuren additiv nebeneinander gestellt abzuverlangen. Andererseits wird seine bürokratische Steuerungsphilosophie nochmals klar: Dokumentationspflicht ist die Maxime, notwendige inhaltliche Konsequenzen aus diesen Leistungsbeschreibungen werden nicht gezogen, hinreichende Ressourcen nicht verfügbar gemacht.

Völlig ausgeblendet wird bei der Bezugnahme auf die Ergebnisse internationaler Untersuchungen die soziale Lage des Bundeslandes. So entlarven sich die in diesem Zusammenhang gemachten Aussagen schnell als weiterer Versuch, die Gründe für die „erheblichen Mängel“ in Bremen auf die Lehrkräfte zu individualisieren. Dagegen lässt sich dann schnell die Weisheit der Behörde setzen, richtige Maßnahmen eingeleitet zu haben. Kein Wort fällt zur Situation, in der in diesen Breiten Lernen stattfindet: Kein Wort zur Migration, kein Gedanke zur weit verbreiteten Armut, kein Hinweis auf die 26,2 % Arbeitslosigkeit in Bremerhaven.

Dies ist kein ernsthafter Angang an die Problemlage. Das eigentliche Ziel des ganzen Schreibens wird dann auch benannt. Es ist die Vorbereitung der MitarbeiterInnen auf mehr Arbeit: Lemke will eine verlängerte Anwesenheit in der Schule ohne Arbeitsplätze und eine verbindliche Fortbildung ohne Anrechnung auf die Arbeitszeit durchsetzen.

Die vom Senator dabei unterstellten Mängel in der „professionellen Praxis“ von LehrerInnen bei der Ausübung ihres Berufes sind angesichts der tatsächlichen Belastungen schulischer Arbeit eine Frechheit. Wir weisen derartige Angriffe in aller Form zurück.

Uns geht es nicht darum, Arbeitserleichterungen „an der einen oder anderen Stelle“ gewährt zu bekommen. Uns geht es darum, Arbeitsbedingungen zu erhalten, mit denen Ziele einer qualifizierten Schulbildung auch tatsächlich erfolgversprechend umgesetzt werden können. Gerade daran wird Senator Lemke sich messen lassen müssen: Inwiefern gelingt es, von einer Politik der Beschwichtigung der Lehrkräfte zu ihrer Einbeziehung in eine Qualitätsentwicklung zu kommen, die den Namen verdient und die die Arbeitsleistung der LehrerInnen respektiert. Noch bleibt bis zur nächsten Wahl Zeit, Weichen zu stellen. Der Senator wird diese Zeit brauchen: Für ihn ist der Weg noch weit!





Schon mal vormerken:

Mittwoch, 16.02.05, 19.00 Uhr
Schulleiter/innen-Treffen
GEW-Büro, Deichstraße 70

Mittwoch, den 16.02.2005, 12.00 – 16.00 Uhr
Neueinsteiger-Seminar Teil II
„LFI“, Deichstraße

Freitag, 18.02.05, 14.00 Uhr
Angestellten-Treffen
GEW-Büro, Deichstraße 70

Dienstag, 22.02.05, 15.45 Uhr
Aktion gegen Erhöhung der Arbeitsbelastung und Verbürokratisierung – „Vollgepackter Rucksack“
Arkaden am Stadthaus 1

Montag, 28.02.05, 15.30 Uhr
Fachgruppensitzung Sekundarstufe I
GEW-Büro, Deichstraße 70

Donnerstag, 03.03.05, 17.00 Uhr
Treffen der Initiative BremerhavenerInnen für Kinder und Jugendliche
GEW-Büro, Deichstraße 70

26. Pädagogische Woche von LFI und GEW
In der 10. Kalenderwoche vom 07. – 11.März 2005










SucheHilfeEmailSitemap
Suche,Hilfe,Email,Sitemap