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16.09.2007 Arbeitsbedingungen an Ganztagsschulen verbessern!

Ergebnisse einer Teilpersonalversammlung
von Jürgen Burger
„Ab dem Schuljahr 2008 / 2009 werden wir jährlich drei weitere verbindliche Ganztagsschulen in Bremen und Bremerhaven einrichten, unter schrittweiser Einbeziehung der Förderzentren.“
(Text der Koalitionsvereinbarung)
„Dabei ist zu berücksichtigen, dass die 30 seit dem Jahre 2000 eingerichteten Ganztagsschulen nur höchst notdürftig ausgestattet worden sind und so auch den qualitativen Ansprüchen an ein integriertes Ganztagsschulkonzept nicht gerecht werden können. Dies hat zu teilweise unerträglichen Arbeitsbedingungen geführt.“
(Stellungnahme der GEW zum Koalitionsvertrag)

Seitenabschnitte:
Auszüge aus einer Wandzeitung„Lüge Ganztagsschule“

 Arbeitsbedingungen_an_Ganztagsschulen.pdf
 Vollständiger Artikel
zum Downloaden

Die rot/grüne Koalitionsvereinbarung enthält eine Reihe von Ankündigungen, die von den Bremer Lehrkräften teils mit Befriedigung und gewissen Hoffnungen, teilweise aber auch mit Skepsis zur Kenntnis genommen worden sind. Die Hoffnungen beziehen sich auf eine allmähliche Entspannung der Personalsituation, wenn tatsächlich bei zurückgehender SchülerInnenzahl jede freiwerdende Stelle wiederbesetzt wird und wenn es zu einer Wiedereinführung der Altersteilzeit kommt. Auch die Möglichkeit, auf Antrag die Grundschulzensuren abzuschaffen und die Ankündigung eines Schulentwicklungsplanes, bei dessen Erstellung die Betroffenen gefragt werden sollen, gehören zu den positiven Signalen.
Gleichzeitig gibt es Ankündigungen, die mit einem großen Fragezeichen zu versehen sind; die ein munteres „Weiter so“ einer Bildungspolitik befürchten lassen, die in den letzten Jahren vor allem durch unabgesicherte Versprechungen gekennzeichnet war. Immer mehr und besserer Unterricht mit immer weniger dafür ausgebildetem Personal – diese Rechnung konnte nicht aufgehen.
Wer der Öffentlichkeit eine Ausweitung der Ganztagsschulen verspricht, der muss zunächst einmal Bilanz ziehen und zur Kenntnis nehmen, wie die Lage in den 30 Neugründungen der letzten sechs Jahre ist.

Der Personalrat Schulen hatte in Bremen am 12.3., also schon vor der großen Personalversammlung mit Jens Böhrnsen, zu einer Teilpersonalversammlung für Lehrkräfte an Ganztagsschulen eingeladen. Hierzu waren am Nachmittag ca. 300 KollegInnen erschienen. Im letzten Schuljahr gab es in der Stadtgemeinde Bremen 347 Klassenverbände im Ganztagsbetrieb. Die Veranstaltung war also durch eine sehr repräsentative Beteiligung gekennzeichnet. In sog. Open-Space-Workshops wurden die bestehenden Probleme diskutiert. Die Kritik an den aktuellen Zuständen war heftig. Unter dem provokativen Titel „Lüge Ganztagsschule“ wurde in einer der Arbeitsgruppen ein Negativ-Szenario zusammengestellt, das in dieser geballten Form zwar sicher nicht an einer einzigen Schule anzutreffen ist, dessen einzelne Teile jedoch in den meisten Neugründungen als akute oder latente Erscheinungen wohlbekannt sein dürften. Die Wandzeitung der AG ist hier auszugsweise abgedruckt. Alle Wandzeitungen hingen auf der Personalversammlung im Pier 2 aus. Sie können bei der GEW angefordert werden (am besten als Mail).

Die Forderung nach einer Ausstattung von drei Lehrerstunden pro Ganztagsschul-Klassenverband, die anlässlich des Modellversuchs Borchshöhe von GEW und Personalrat erhoben wurde, ist aktueller denn je. Zurzeit stehen für 347 Klassenverbände 564 Stunden zur Verfügung, also weniger als 2 Stunden pro Klassenverband. Das ist zu wenig. Weitere Forderungen der Teilpersonalversammlung betreffen die Entlohnung und Einbeziehung der sozialpädagogischen Fachkräfte, den Fortbildungsbedarf und die baulichen Voraussetzungen.

In der Koalitionsvereinbarung werden „verbindliche Standards“ für die Ganztagsschulen angekündigt. Hierbei müssen die Erfahrungen der Beschäftigten endlich berücksichtigt werden.

Auszüge aus einer Wandzeitung„Lüge Ganztagsschule“

Die neu gegründeten Ganztagsschulen in Bremen zeichnen sich durch die folgenden Gemeinsamkeiten aus. Sie sind:

  • konzeptlos
    Es ging nicht um die Entwicklung eines für den jeweiligen Standort, mit seinen spezifischen Schülerinnen und Schülern, sinnvoll gestalteten Schultages sondern lediglich darum, zusätzliche finanzielle und/oder personelle Ressourcen an die Schule zu holen.
  • beziehungslos
    Die Menge, die Fluktuation des Betreuungspersonals führt zu einem beziehungslosen nebeneinander.
  • mittellos
    Bei Erkrankungen von Lehrkräften werden Betreuungskräfte für den Vertretungsunterricht herangezogen.
    Mittagsmalzeiten können oft nicht für alle Schüler angeboten werden.
    Eine generelle Mittagsfreizeit ist auch nicht möglich, wenn die Mensa zu klein ist.
    Eine adäquate Ausgestaltung der Aufenthaltsräume ist selten geschehen.
  • kulturlos
    Der Fachunterricht wird künstlich auch in den Nachmittag verlegt.
    Betreuungsangebote werden beliebig besucht.
    In den Mittagspausen werden (auch kleine) Schüler, die freiwillige Angebote nicht annehmen oder nicht annehmen können, weil es keine gibt, sich selbst überlassen..
    Die Rhythmisierung des Schultages ist eine Ausnahme.
    Lehrkräfte werden durch z.T. acht- bis neunstündigen durchgehenden Unterrichtseinsatz überlastet, obwohl Ganztagsbetrieb durch Rhythmisierung der Arbeitszeit theoretisch entlasten soll.
  • kommunikationslos
    Eine Kommunikation zwischen den verschiedenen Professionen kann aus Zeitmangel nicht stattfinden. Die Lehrkräfte sind bis zum Stehkragen mit Unterricht eingedeckt. Die Kooperationszeiten längst verplant durch die Schulleitung.
    Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern kommt aus den selben Gründen zu kurz.

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