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16.05.2009 (Aus-)Bildung des Körpers

von Monika Fikus
Universität Bremen
Auch abseits der Klagen über Kinder, die nicht rückwärts Laufen können und jugendliche Koma-Trinker, die ihre physiologischen Grenzen oder körperlichen Signale nicht (an)erkennen, fordern gesellschaftliche Bedingungen die verstärkte Auseinandersetzung mit der menschlichen Körperlichkeit in Bildung und Wissenschaft.

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In aktuellen (sport-)pädagogischen und (sport-)soziologischen Debatten hat sich in diesem Zusammenhang wieder der „alte“ Begriff der Leiblichkeit etabliert, der Anfang der 1980er Jahre u.a. mit dem Ende der „Leibeserziehung“ aus dem Sprachgebrauch verloren schien. Mit diesem Begriff soll ausdrücklich eine Abgrenzung zur biomedizinischen Auffassung des menschlichen Körpers vollzogen werden.
Die vorherrschende Biotechnologie oder Biopolitik begleitet das menschliche Leben heute vom Anfang (prädatale Diagnostik) bis zum Ende (Hirntod) und ihre Machbarkeits-Phantasie bestimmt bei einer zunehmenden Masse von Menschen die Zeit dazwischen. Die Folgen sind unübersehbar: Schönheitschirugie, riskante körperliche Praktiken innerhalb und außerhalb des Sports, Diäten, Doping, Prothetik, usw..
Diese Phänomene kennzeichnen die heutigen Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche ihre körperliche Identität ausbilden sollen und müssen.

Im Bereich der Schule ist es allein der Sportunterricht, in dem die Leiblichkeit mit all ihren Möglichkeiten und Grenzen eine Rolle spielt und Sportlehrer/innen sind die Personen, die den Schüler/innen auf leiblicher Ebene begegnen.
Angehende Sportlehrer/innen mit einem kritischen Reflexionspotenzial im Hinblick auf gesellschaftliche Bedingungen und daraus resultierenden Anforderungen an die Aufgabe der Identitätsbildung auszustatten, ist eine originäre Aufgabe der universitären sportwissenschaftlichen Ausbildung und kann nicht von Trainerakademien und anderen sportverbandsinternen Institutionen geleistet werden. Denen obliegt eine andere Aufgabe.
Im Studium der Sportwissenschaft geht es auch um die Seite von Körper, Bewegung und Sport, die sich nicht der unmittelbaren Verwertbarkeit und messbaren Leistungssteigerung unterwirft. Und gerade diese macht sie zu einem unverzichtbaren Teil allgemeiner Bildung.
Als im Jahr 2006 die Leitung der Universität Bremen und der Bildungssenator der vorangegangen Legislaturperiode gemeinsam das Ende der Sportlehrerausbildung in Bremen eingeleitet haben, gab es seitens der Bildungsbehöre ein ausgesprochenes Argument: „Bremen kann Sportlehrer/innen aus anderen Bundeländern rekrutieren“ und ein unausgesprochenes, in der Praxis aber sichtbares Anliegen: „Übungsleiter/innen können – verbunden mit deutlicher Kostenreduzierung – Sportunterricht erteilen“.
Letzteres Modell ist sowohl in der Praxis gescheitert als auch im Hinblick auf die Bedingung der Ausbildung der Akteure nicht akzeptabel.Die Rekrutierung von Sportlehrer/innen, die in anderen Bundesländern ausgebildet wurden, wird wohl absehbar ebenso scheitern.

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