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16.11.2008 Die Chancen ausloten, ohne die Risiken zu übersehen

EQR und ECVET – Auf die nationale Umsetzung kommt es an
von Petra Jendrich
2002 in Kopenhagen verabredeten 30 Staaten (unter ihnen alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union) in der Bildungspolitik stärker zusammen zu arbeiten und gemeinsame Ziele zu verfolgen.
Eine für uns alle sichtbare – und spürbare - Folge dieses Prozesses ist die Bologna-Vereinbarung mit der Einführung des Bachelor/Master-Modells an den Universitäten.
Die berufliche Bildung in Europa steht nun mit der konkreten Arbeit an einem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) und dem Europäischen Kreditpunktesystem für berufliche Bildung ( ECVET) im weiteren Fokus der EU.
Bis 2010 sollen die Mitgliedstaaten ihre nationalen Systeme an den EQR ankoppeln und bis 2012 in alle Zeugnisse/Abschlusszertifikate einen entsprechenden Verweis aufnehmen.

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Abkürzungen:
Elemente, die der europäischen Bildungspolitik zugrunde liegen:

 EQR-ECVET.pdf
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Abkürzungen:

  • EQR: Europäischer Qualifikationsrahmen
  • ECVET:Europäisches Kreditpunktesystem für berufliche Bildung
  • ECTS:Europäisches Kreditpunktesystem für die Hochschulen
  • NQR: Nationaler Qualifikationsrahmen
  • ENQA-VET: Europäisches Netzwerk für die Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung

Elemente, die der europäischen Bildungspolitik zugrunde liegen:

  • Förderung der Mobilität, interkultureller Kompetenzen, Öffnung der Lehrpläne und Ausbildungsordnungen
  • Förderung der Transparenz von Qualifikationen und Kompetenzen
  • Schaffung eines europäischen Rahmens für die Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen (Vergleichbarkeit der Kompetenzen und Qualifikationen
  • Förderung der Zusammenarbeit insbesondere hinsichtlich gemeinsamer Qualitätskriterien und – grundsätzen für die berufliche Bildung


Der EQR soll ein europäisches Bezugssystem darstellen, das eine Zuordnung von nationalen Bildungsabschlüssen in der Weise ermöglicht, dass sie mit den Bildungsabschlüssen anderer Länder vergleichbar(er) sind. Das ist sinnvoll und sicherlich in einer globalisierten Welt auch notwendig. Einfach ist es nicht, denn Bildungsniveaus sollen dabei anhand von Lernergebnissen verglichen werden. Wie es zu diesen Ergebnissen gekommen ist (durch berufliche Ausbildung, Studium, Schule, informellen Wissenserwerb) soll keine Rolle mehr spielen. Die Lernergebnisse sind im EQR in acht Stufen eingeteilt (von Stufe 1 "Grundlegende allgemeine Kenntnisse" bis Stufe 8 "Fachwissen über neue und komplexe Ideen; Fähigkeit zu kritischer Analyse und Bewertung..."). Die in diesen Stufen beschriebenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen lesen sich ziemlich abstrakt, müssen sie doch 27 nationale Bildungssysteme abbilden. Und dennoch: Das Ziel des EQR, die Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer, zwischen formaler und nicht formaler Bildung ist ein erstrebenswertes (ich wünsche mir, dass es eines Tages für einen Meister/eine Meisterin genauso selbstverständlich denkbar ist, ein Hochschulstudium aufzunehmen, wie für einen Abiturienten/eine Abiturientin, dass es für eine Frau mit jahrlanger Erfahrung in Familiearbeit - ihrer eigenen Familie - möglich ist, die in diesen Jahren erworbenen Kompetenzen anrechnen zu lassen im Rahmen eines Hochschulstudiums, dass der Wechsel zwischen Universitäten unterschiedlicher Länder kein chaotisches Unterfangen mehr ist, sondern eine einfache Selbstverständlichkeit wird). Ich erhoffe mir die Chance zur Überwindung der bei uns nach wie vor bestehenden traditionellen Statusunterschiede.

In Deutschland sind wir nach wie vor eher auf formale Bildung fixiert; Abschlüsse sind uns häufig wichtiger als Kompetenzen. Auch das lässt viele von uns bezüglich des hier beschriebenen Bildungsansatzes fremdeln. Die Hochschulen jedenfalls können sich derzeit offenbar eine Verbindung des ECTS-Systems mit dem ECVET-System nicht vorstellen. Nur unter dieser Voraussetzung aber ist eine Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung herzustellen.

Dazu kommt, das das deutsche System der beruflichen Bildung – das Duale System – europaweit (eigentlich auch weltweit) einmalig ist (im Übrigen auch weltweit hoch anerkannt). Dieses deutsche Alleinstellungsmerkmal allerdings – Anerkennung hin oder her – macht einen Prozess, der die oben genannten Elemente europäischer Bildungspolitik umfasst, gelinde gesagt schwierig.

Die vehementesten Kritiker europäischer Bildungspolitik fürchten eine Zerschlagung des Dualen Systems der berufliche Bildung in Deutschland. Dabei übersehen sie meines Erachtens allerdings, dass der EQR nur eine Vergleichshilfe für die unterschiedlichen Qualifikationen in ganz Europa sein soll/kann. Sich auf den EQR/ECVET-Prozess einzulassen muss nicht notwendigerweise bedeuten, dass wir das Duale System aufgeben. Es ist möglich, dass eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Ein Versuch ist es jedenfalls wert. Und dieser Versuch beinhaltet natürlich, die Gefahren und Risiken ebenfalls im Blick zu haben: Private Bildungsanbieter aller Couleur stehen parat, ihre Dienste auf einem unglaublich profitversprechenden Markt anzubieten. Wie die Bundesrepublik Deutschland allerdings bei der Umsetzung des EQR verfährt, wird auch davon abhängen, wie sehr die Gewerkschaften (gemeinsam !) ihre Einflussmöglichkeiten nutzen. Ob der Zug in Richtung Privatisierung und Kommerzialisierung fährt oder in Richtung Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit ist aus meiner Sicht noch nicht ausgemacht.

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