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| 20.01.2007 Die pädagogische Ganztagsschule | ||||||
| Ganztagsschulen in Deutschland von Stefan Appel | ![]() | |||||||||
| Was ist eine Ganztagschule und wie viele Ganztagsschulen gibt es im Bundesgebiet? Diese beiden Fragen hört man immer wieder, wenn es um Neueinrichtungen ganztägig arbeitender Schulen geht oder wenn über Bedarf und Versorgungsstreuung von Betreuung gestritten wird. Beide Fragen sind in der Tat eng miteinander verflochten, und je nachdem, wie man „Ganztagsschule“ definiert, verändern sich die Statistiken um drei- bis vierstellige Größen. Die Divergenzen lassen sich am deutlichsten dokumentieren, wenn man die KMK-Auflistungen der Jahre 2001 und 2003 nebeneinander legt. Die Unterschiede sind so eklatant, dass man zusammengefasst sagen kann: eine verlässliche bundesweite Übersicht gibt es gegenwärtig nicht. Schätzungsweise kann man gegenwärtig von etwa 2.700 voll ausgebauten Ganztagsschulen im Bundesgebiet ausgehen, und etwa 3.700 Schulen mit einem selbstverantworteten Nachmittagsprogramm kommen hinzu. Somit sprechen wir von etwa 6.400 Schulen mit ganztägiger Konzeption im Bundesgebiet. Bei den Charakteristika für Ganztagsschulen (= Struktur- oder Qualitätsmerkmalen) sieht es nicht viel besser aus, wenn man die gültigen Ausgestaltungsregelungen der Bundesländer sieht. Nur 3 Bundesländer fordern sog. festgelegte Strukturmerkmale (Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Hessen), die als Genehmigungsvoraussetzung für den Start von Ganztagsschulen vorliegen müssen. In den anderen Bundesländern gibt es zwar auch beachtensrelevante Vorgaben; sie beziehen sich jedoch mehr auf organisatorische, personelle oder schulartenbezogene Vorgaben. Da die bescheidenen Ganztagsversionen gegenwärtig bei der Realisierung in den Bundesländern offensichtlich den Vorrang haben, stehen mehrere kritische Sichtweisen zur Begutachtung und Einschätzung an. Vergegenwärtigen wir uns vorab, welche Argumente für eine ganztägige Konzeption von Schule sprechen, ehe wir Beurteilungen wagen, inwieweit schmale (oder ausgedünnte) Ganztagskonzeptionen bestimmten Missständen Abhilfe schaffen können bzw. inwieweit sie überhaupt aus Sicht der Erziehung, der Leistungsoptimierung, der kindergemäßen Betreuung und individuellen Förderung vertretbar sind. Wenn wir die Begründungen und Ziele der Ganztagsschule ernst nehmen, sollten Ganztagsschulen nur in voll ausgebauter Form als gezielte Projekte innerer und äußerer Schulreform eingerichtet werden, weil halbherzige Konzeptionen nur jene Probleme verschärfen, die uns in den traditionellen Halbtagsschulen an verschiedenen Stellen den Atem nehmen. Lediglich als Übergangslösungen ist angesichts des hohen Bedarfs und der erheblichen Kosten an Halbtagsschulen mit Nachmittagsprogramm zu denken. Eingeschränkte Personal-, Raum- und Sachausstattungen sind auf die Dauer keine Lösung. |
Dieses Referat wurde gehalten auf der Tagung „Baustelle Ganztagsschule“, am 9.12.2005 in der Bremischen Bürgerschaft. Veranstalter war die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Wir danken für die Genehmigung zum Abdruck. Homepage: www.gruene-bremen.de Literatur: Stefan Appel Handbuch ganztagsschule. Praxis -Konzepte-Handreichungen Wochenschau Verlag 2005 Der Autor: Stefan Appel Schuldirektor Bundesvorsitzender des Ganztagsschulverbandes GGT e.V. Stefan-Appel [at] gmx.de www.ganztagsschulverband.de | |||||||||