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16.09.2008 „Eine Grundfrage des gesellschaftlichen Zusammenhalts ...“

Ein Gespräch mit KollegInnen der GSM
von Jürgen Burger
Für Gesamtschulen ist der produktive Umgang mit Heterogenität Ausgangsvoraussetzung und Erfolgsbedingung. Nachdem Bremen 1969/70 sehr früh zwei Modellschulen (GSW und GSO) gegründet und 1975 die Integration der gesamten Sek. I gesetzlich vorgesehen hatte, stoppte die Entwicklung in den nächsten Jahren aufgrund konservativen Widerstandes. Erst 1988 wurde nach langem Drängen einer starken Bürgerinitiative mit der Gesamtschule Mitte eine weitere Schule genehmigt. Wenig später folgte der Leibnizplatz.
Als kürzlich im Fachausschuss Schulentwicklung die Didaktische Leiterin der Braunschweiger Gesamtschule Franzsches Feld das dortige Konzept vorstellte, dachte ich (und, wie sich herausstellte dachten andere das auch): „Das kennen wir doch zu 90% von der GSM und einigen anderen ‚neuen’ Gesamtschulen Bremen. Aber der Prophet gilt bekanntlich wenig im eigenen Land.“
Für die BLZ habe ich ein dreistündiges Gespräch mit Ute Abendroth und Jürgen Hadtstein von der Gesamtschule Mitte geführt – u.a. deshalb mit KollegInnen von der GSM, weil sie am 26. September ihren zwanzigsten Geburtstag feiert und weil ich die Schule aus Elternsicht kenne. Im folgenden fasse ich die wesentlichen Gesprächsergebnisse zusammen. Viel weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Schule. Dort ist auch das Schulprogramm nachzulesen.

Seitenabschnitte:
Ein Wandel der SchülerInnenschaft
Die Leitgedanken
Tischgruppe und Klassenverband
Lernentwicklungsberichte
Mangelnde Personal-Ausstattung
Weiterentwicklung
Lehrerversorgung an der GSM

 Interview_GSM.pdf
 Vollständiger Artikel
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Ein Wandel der SchülerInnenschaft

In den ersten Jahren wurde die GSM überdurchschnittlich stark vom „alternativen Bildungsbürgertum“ angewählt. Das prägte ihren Ruf. Inzwischen ist die soziale Durchmischung viel größer geworden. Auffällig ist, dass z. Zt. bedeutend mehr Jungen als Mädchen angemeldet werden. Der Anteil der SchülerInnen mit Migrationshintergrund entspricht etwa der Zusammensetzung des Stadtteils (15%).
In den Jahrgangsklassen differiert das Alter um bis zu drei Jahre. Das Leistungsspektrum ist breit gefächert, es reicht vom Gymnasium bis zur Nähe des Förderzentrums.

Die Leitgedanken

Alle Kinder sollen in der GSM zusammen lernen und individuelle Förderung erhalten. Gegenseitige Hilfe, Toleranz und Akzeptanz stehen an oberster Stelle. Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit soll besonders gefördert werden. Eifer, Ehrgeiz und Leistung stehen unter dem Blickwinkel des gemeinsamen Lernens. Die Erfahrung zeigt, dass leistungsstärkere und leistungsschwächere SchülerInnen erfolgreich zusammen arbeiten können.
Kinder werden nicht aussortiert sondern integriert. Dies hat nicht nur eine leistungsfördernde Komponente, sondern ist eine Grundfrage des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten lernen sich kennen und respektieren

Tischgruppe und Klassenverband

Ein wesentliches Element sind die Tischgruppen. Sie werden geschlechter- und leistungsheterogen zusammengesetzt. Dabei bestimmen die Kinder mit. In den Jahrgängen 5 und 6 findet ein Sozialtraining statt.
In den ersten Jahrgängen hat die Klasse zwei Bezugspersonen ( möglichst Lehrerin und Lehrer).
Differenzierung soll in den Hauptfächern Deutsch, Englisch Mathe und NW durch ein ausgewogenes Angebot an Aufgaben mit unterschiedlicher Komplexität erreicht werden. Es gibt zwei Niveaus (G und E). Eine weitere Differenzierung findet durch die Neigungsfächer statt:

  • WP I: Spanisch, Französisch, NW, Kunst,
  • WP II:, Schwerpunkt Ästhetisches Lernen
  • verpflichtende AG’s.

Wichtig sind u.a. handlungsorientierte Lernangebote,Gruppenaufgaben, die Schaffung kreativer Räume (Musik, Theater, Sport), das Aufsuchen außerschulischer Lernorte Eine große Rolle spielt in allen Fächern die schriftliche und mündliche Präsentation der Arbeitsergebnisse.

Lernentwicklungsberichte

Bis zur 8. Klasse gibt es in der GSM keine Zensuren, sondern ausführliche Lernentwicklungberichte. Den SchülerInnen wird Zeit gegeben, sich zu entwickeln. Es ist jedoch festzustellen, dass seit einigen Jahren die Fülle der Vergleichstests in den Hauptfächern das System beeinflusst. Es findet eine spürbare Anpassung an vorgegebene Strukturen und Anforderungen statt.

Mangelnde Personal-Ausstattung

Wie alle Schulen – aber am stärksten die Gesamtschulen – hat die GSM in den zwei Jahrzehnten enorme Personalkürzungen hinnehmen müssen. (S. Tabelle) Die Folgen: Die Lerngruppen sind zu groß! Früher waren 18 SchülerInnen in einer Klasse, heute oft schon 23. Die Fachräume sind überfüllt. Für besondere Fördermaßnahmen stehen so gut wie keine Stunden zur Verfügung.
Seit Einführung der Ganztagsschule haben die LehrerInnen zu viele Aufsichten, Vertretungsstunden und neue Verantwortungsbereiche. Weiterhin hat der Anteil der erzieherischen Aufgaben deutlich zugenommen. Die Kollegen können die Qualität ihrer Arbeit immer häufiger nur noch durch enorme Mehrarbeit gewährleisten. Überlastung und Stress ist die Folge.

Weiterentwicklung

Um die Qualität der Schule zu halten und weiter zu erhöhen, ist eine der wichtigsten Aufgaben die Verbesserung der Zusammenarbeit der Kolleginnen in den Jahrgangsteams. Auch wird kontinuierlich an der Gestaltung der Binnendifferenzierung gearbeitet. Es geht dabei u.a. um Kreativität bei der Aufgabenstellung (s. hierzu auch das Projekt „Umgang mit Heterogenität im Mathematikunterricht“ auf der Homepage).
Gleichzeitig wird am Standort Brokstraße jahrgangsübergreifender Unterricht erprobt.

Lehrerversorgung an der GSM

Jahr

SchülerInnen

Stunden

Stellen

Schüler/Lehrer

1992/9193

343

855

34,2

101

2007/2008

663

1171

43,4

15,28


Quelle: Bildungsdeputation. J.B., 31.8.2008

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