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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Februar 2009 16.02.2009 FARQ | ||||||
| 16.02.2009 FARQ | ||||||
| Das Projekt zur Förderung der SchülerInnen mit Migrationshintergrund von S. Jafer Akhzarati Leiter des Projekts | ||||||||||
| Das Ergebnis der PISA- Studie, in der der schulische Misserfolg der Migrantenkinder schon im Jahre 2001 deutlich wurde, bildete den entscheidenden Entstehungsgrund für dieses Projekt. Darüber hinaus führten der massive Bedarf an Beratung bei SchülerInnen aus Zuwandererfamilien und bei ihren Eltern sowie der Bedarf an Förderung, die konzeptionell angelegt ist, zur Entstehung. Diese Bedarfslage und die Leistungsrückstände der Einwanderkinder bildeten die unmittelbare Erfahrung des Projektleiters, der als ein in der Beratung erfahrener Lehrer von SchülerInnen mit Migrationshintergrund und ihren Eltern – schon vor der Projektentstehung - mit einer Selbstverständlichkeit als ihr Ansprechpartner und Berater in Anspruch genommen wurde. |
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| Entwicklungsprozess und Konzept | ||||||||||
| Das Projekt, das zu Beginn des Schuljahres 2005/2006 im Auftrag des Senators für Bildung und Wissenschaft eingerichtet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die SchülerInnen mit Migrationshintergrund auf ihrem Weg zum Schulerfolg und im Rahmen der Inklusion zu unterstützen. Dafür wurde ein Konzept (für Sek. I und II) entwickelt, das zunächst im Bremer Westen erprobt wurde. Das Wort FARQ bedeutet „der Unterschied“ in orientalischen Sprachen. Diese Benennung des Projekts basiert auf der Auffassung, dass in einem Einwanderungsland ethnische, kulturelle und religiöse Unterschiede existieren, mit denen sich die gesellschaftlichen Institutionen auseinandersetzen müssen. In der Schule sollte so agiert werden, dass diese Unterschiede nicht zur Diskriminierung und Ausgrenzung von SchülerInnen führen. Folgende Aspekte bilden den konzeptionellen Ansatz und die Schwerpunkte der Projektarbeit: | ||||||||||
| Vermittlung zwischen Schule und Migranteneltern | ||||||||||
| Eltern sind wichtige Akteure in einer schulischen Gemeinschaft. Migranteneltern zu gewinnen, ist nicht nur für die schulische Integration ihrer Kinder wichtig, sondern auch für die erfolgreiche Arbeit innerhalb der Schule und für die Schulentwicklung von Bedeutung. Das Zusammentreffen der unterschiedlichen Zugehörigkeiten (kulturelle, ethnische, religiöse usw.) kann neben der Bereicherung auch vielfältige Konflikte mit sich bringen. Für eine zielorientierte Beratung bedeutet es, dass offen und sachlich sowohl die Konfliktfelder als auch die Verantwortlichkeiten der Schule und der Eltern benannt werden. | ||||||||||
| Verknüpfung von Beratung und Förderung | ||||||||||
| SchülerInnen, die eine Fördermaßnahme am dringendsten brauchen, sind dafür zu gewinnen, dass sie diese freiwillig und möglichst mit Motivation in Anspruch nehmen. Dieser Anspruch und die Tatsache, dass Leistungsdefizite und der Förderbedarf der SchülerInnen mit Migrationshintergrund mit vielfältigen sozialen und anderen Faktoren im Kontext der Migration zusammenhängen, führten zur Notwendigkeit der Verknüpfung von Beratung und Förderung. | ||||||||||
| Vernetzung der schulrelevanten Unterstützungssysteme und Berücksichtigung der Migrantencommunities | ||||||||||
| Einer der ersten Schritte ganz zu Beginn der Projektarbeit war es, Gespräche mit schulrelevanten Unterstützungsinstitutionen einerseits und bildungsrelevanten Migrantenorganisationen andererseits zu führen. Das Kennenlernen dieser Institutionen und die Information über das Arbeitsumfeld und die Arbeitsweise standen hierbei im Vordergrund. Dabei wurde die Möglichkeit der Kooperation ausgelotet. Entscheidend waren jedoch der Aufbau eines Netzwerkes und der Zugang zu den Migrantencommunities. | ||||||||||
| Stärkung der interkulturellen Kompetenz und Mehrsprachigkeit | ||||||||||
| Nach Hinz-Rommel (1996, S. 20) „ist interkulturelle Kompetenz eine der wesentlichen Fähigkeiten, angemessen und erfolgreich in einer fremdkulturellen Umgebung oder mit Angehörigen anderer ethnischer Gruppen zu kommunizieren“ (zitiert nach Radice von Wogau u, a. in Therapie und Beratung von Migranten, Beltz Verlag Weinheim, Basel 2004). So gesehen ist es notwenig, dass diese Kompetenz in die Lehrerfort- und Ausbildung integriert wird. Sie umfasst die Mehrsprachigkeit und spielt insgesamt eine wichtige Bedeutung für die Arbeit des Projekts, die auf der Überzeugung basiert, dass für die Entstehung eines positiven Schulklimas, unter dem auch MigrantenschülerInnen ihre Potenziale optimal entfalten können, den interkulturellen Kompetenzen eine zentrale Bedeutung beigemessen werden muss. Das erfordert ihre Berücksichtigung im Schulentwicklungsprozess. Die Projektarbeit zeigt täglich diese Notwendigkeit. Folgende Aspekte sind in dem Zusammenhang von besonderer Bedeutung: | ||||||||||
| Stärkung des Selbstbewusstseins und der Mehrsprachigkeit | ||||||||||
| Im Sinne des Beratungsansatzes des Projektes werden die SchülerInnen im Beratungsprozess in ihrem Selbstbestimmungsprozess unterstützt; das bedeutet, dass sie sich für die Förderung entscheiden, ihre eigenen Interessen und Ziele erkennen und verfolgen können. Hierbei sind die Stärkung der Wertschätzung der Herkunftssprache und die Mehrsprachigkeit von großer Bedeutung. Eine zweisprachige Fördermaßnahme (Persisch/Deutsch) in den Naturwissenschaften, die ich selber seit 3 Schuljahren durchführe, ist hierfür beispielhaft | ||||||||||
| Unterstützung der Konfliktfähigkeit: | ||||||||||
| Unterstützung der Schülerinnen bei Interessenkonflikten mit den Eltern, vor allem im Bezug auf ihre Selbstbestimmung im Zusammenhang mit ihrer Schullaufbahn und Teilnahme am schulischen Leben (z. B. Klassenfahrten, und andere schulische Aktivitäten | ||||||||||
| Bewerbungstraining für Kopftuch tragende Schülerinnen: | ||||||||||
| Diese Schülerinnen haben besondere Problem schon bei der Suche eines Praktikumsplatzes. Deshalb findet im Rahmen des Projektes Bewerbungs- und Gesprächstraining statt. Diese Maßnahmen führen mit der Förderung der schulischen Leistungskompetenz zur Verbesserung der Kommunikation und der interkulturellen Kompetenz. | ||||||||||
| "Essener Modell“ als Förderansatz | ||||||||||
| Das Projekt FARQ bietet in folgenden Fächern Förderunterricht an: Mathematik, Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Die Fördermaßnahmen in anderen Herkunftssprachen der MigrantInnen werden nach Bedarf vermittelt. Darüber hinaus werden Fördermaßnahmen in Lern- und Arbeitstechniken angeboten. Die Maßnahmen, die sich konzeptionell an das erfolgreiche „Essener Modell“ anlehnen, finden in kleinen Kursen mit ca. 5 TeilnehmerInnen statt. Als FörderlehrerInnen werden LehramtsstudentInnen beauftragt, die angeleitet und betreut werden. | ||||||||||
| Beratung und Sprechzeit | ||||||||||
Um vor Ort mit den SchülerInnen Beratungsgespräche durchführen zu können, sind in den einzelnen Schulen feste wöchentliche Sprechzeiten eingerichtet. Seit dem Schuljahr 2005/06 wird eine Beratung für SchülerInnen mit Migrationshintergrund, ihre Eltern und Lehrkräfte in folgenden Schulen angeboten:
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| Zuspruch bei der Zielgruppe und den Kooperationspartnern | ||||||||||
| Schnell zeigte sich, dass die Arbeit des Projektes gut ankommt. Kurz nach dem Beginn wurde die Beratungszeit in den Schulen verlängert. Nun empfehlen die SchülerInnen, die das Projekt kennen, anderen MitschülerInnen, sich auch beraten zu lassen. Mit wachsendem Zuspruch wurden auch die Themen der Beratungsinhalte immer umfangreicher. Sie reichen von Konflikten in der Schule oder zu Hause bis hin zur Schullaufbahnberatung und von der Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung bis zu migrantenspezifischen Problemen in der Familie, die selten nach außen dringen (z.B. aufenthaltsrechtliche Unsicherheit, Schulden, Streit und Scheidungsprobleme der Eltern). Viele SchülerInnen konnten ihre Leistungen durch die Teilnahme an den Fördermaßnahmen im Rahmen des Projekts steigern. Einige der SchülerInnen konnten sich um 2 oder gar um 3 Noten nach halbjähriger Teilnahme an den entsprechenden Fördermaßnahmen verbessern. Guten Zuspruch bei Lehrkräften und Schulleitern findet die Vermittlung zwischen Migranteneltern und der Schule in einigen Konfliktfeldern, wie dem Sport- und Schwimmunterricht sowie bei Klassenfahrten. Häufig wird die Teilnahme der Schülerinnen meist durch Väter mit religiöser Begründung verweigert. Fast alle Beratungen, die stattfanden, waren erfolgreich. | ||||||||||
| Anerkennung bei den Experten | ||||||||||
| Die Arbeit des Projektes hat auch Anerkennung bei den Experten gefunden. Von folgenden Persönlichkeiten liegen zur Arbeit des Projektes gutachterliche Stellungnahmen vor: Frau Prof. Dr. Jasemin Karakasoglu (Lehrstuhl für interkulturelle Bildung, Universität Bremen), Herr Dr. Rudolph (schulpsychologischer Dienst), Prof. Mienert (Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Pädagogische Psychologie, Universität Bremen und Leitung des Forums für Lehren und Lernen ), Prof. Dr. Leithäuser (Direktor der Akademie für Arbeit und Politik, Universität Bremen und Vorgänger von Prof. Mienert), Herr Erhard Heintze (Zuwandererangelegenheiten und Integrationspolitik, Migrations- und Integrationsbeauftragter). Diese Stellungnahmen bescheinigen dem Projekt ein fundiertes Konzept sowie wissenschaftliche Aktualität und darüber hinaus die erfolgreiche Umsetzung des Konzeptes. Das Projekt, das in absehbarer Zeit evaluiert wird, ist in der gesamten Stadt Bremen umsetzbar. | ||||||||||