zur Startseite
Pfad zur Seite:Startseite - Publikationen - BLZ - BLZ Archiv - BLZ November 2006 - 16.11.2006 Fachschule für Sozialpädagogik:Hoher...

16.11.2006 Fachschule für Sozialpädagogik:Hoher Anspruch an qualifizierte Ausbildung

Dr. Wolfram Grams
Angelika Menken

Erziehung bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Betreuung, Begleitung, Beziehungsgestaltung, Alltagsbearbeitung und -bewältigung und Bildung. „Der Erzieher steht ... in der Bereitschaft, für das Kind da zu sein, , wann und wo immer es ihn braucht, und das Kind lebt in der Gewissheit, da ist jemand für mich da, wann und wo immer ich ihn brauche.“ Das damit verbundene Postulat fügt dem Spannungsfeld einen weiteren Bogen hinzu: Die Ethik von Erziehung und Bildung.


Seitenabschnitte:
In Deutschland erziehen, bilden und betreuen Fachleute unterschiedlichster Qualifikationen:
Dauer der Ausbildung
Studiengang Elementarpädagogik
Anhebung der Eingangsvoraussetzungen
Mögliche Varianten einer aktuellen Verbesserung der Struktur der ErzieherInnenausbildung könnten wie folgt aussehen:
Neustrukturierung der Ausbildung

 ErzieherInnenAusbildung.pdf
 Vollständiger Artikel
zum Downloaden

In Deutschland erziehen, bilden und betreuen Fachleute unterschiedlichster Qualifikationen:

Universitär ausgebildete Lehrerinnen, Lehrer und ErziehungswissenschaftlerInnen. an Fachhochschulen ausgebildete Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen, an Fachschulen qualifizierte ErzieherInnen und an Berufsfachschulen nach dem Hauptschulabschluss ausgebildete KinderpflegerInnen. Die schulischen Zugangsvoraussetzungen für den Einstieg in eine Ausbildung, die für einen Erziehungsberuf qualifiziert, reichen in Deutschland und Österreich vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur. Dies ist in den anderen europäischen Ländern nicht mehr der Fall: Die Fachhochschulreife ist dort als Entree in eine pädagogische Ausbildung Minimum, die Ausbildung zur Erzieherin/ zum Erzieher erfordert überall als Minimum ein Fachhochschulstudium.

In Deutschland fordert die GEW seit den frühen siebziger Jahren die Ausbildung der in den Kindertagesstätten eingesetzten Bildungsfachleute an Fachhochschulen. Die einsetzende Krisensituation und die Umverteilung von Reichtum bis zur Zahlungsunfähigkeit der Kommunen verunmöglichten die Umsetzung dieser Gewerkschaftsforderung. Auch die desaströsen Ergebnisse der PISA-Untersuchung und die Anerkennung der Notwendigkeit frühkindlicher Bildungsarbeit schufen aktuell kein Umdenken.

Erschwerend kommt hinzu, dass die ErzieherInnenausbildung in den unterschiedlichen Bundesländern unterschiedlichst praktiziert wird. Allein zwischen den Nachbarn Bremen und Niedersachsen klafft folgende Differenz: Dort gilt als Eingangsvoraussetzung für die Fachschule die Ausbildung zur Sozialassistentin/ zum Sozialassistenten an einer Berufsfachschule, die zweijährige Fachschulausbildung beschließt die Qualifikation. Hier absolvieren zukünftige ErzieherInnen ein einjähriges Berufspraktikum, um dann die zweijährige Fachschulausbildung mit einer Prüfung abzuschließen und dann nach einem weiteren einjährigen Berufspraktikum die staatliche Anerkennung als Erzieherin/ als Erzieher zu erwerben. Was die ErzieherInnenausbildung in allen Bundesländern eint, ist die Dauer von insgesamt vier Jahren und die sich anschließende Entlohnung, die an keiner Stelle dem fachlichen Niveau und der gesellschaftlichen Bedeutsamkeit derTätigkeit adäquat ist.

Dauer der Ausbildung

Dauer der Ausbildung und Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher widersprechen zudem den europäischen Regeln, die für die Arbeit im vorschulischen Bereich von einer zwölfjährigen Schulzeit plus einer dreijährigen Ausbildungszeit ausgehen.
Vergleicht man nun die Dauer der ErzieherInnenausbildung im Modulsystem an Berufsfachschulen und Fachschulen mit der Ausbildung von SozialpädagogInnen an Fachhochschulen, ergibt sich eine Differenz von einem Ausbildungsjahr. Diese geringe Differenz ist mit lebenslang geringerer Bezahlung teuer erkauft.

Studiengang Elementarpädagogik

Parallel zu der hier beschriebenen Entwicklung ist an der Universität Bremen ein Studiengang Elementarpädagogik geschaffen worden. Dieses Modell ist begrüßenswert deshalb, weil damit erstmals in Deutschland ElementarpädagogInnen an einer Universität ausgebildet werden, weil damit dem Stellenwert frühkindlicher Bildungsarbeit Rechnung getragen wird und weil der traditionelle Frauenberuf damit eine überfällige Aufwertung erfährt. Problematisch bleibt aber, dass der in Zukunft an der Universität ausgebildete kleine Personenkreis mit erheblicher Wahrscheinlichkeit in noch kleineren Mengen in den Kindertagesstätten an der Basis arbeiten wird. Es steht eher zu befürchten, dass die zukünftigen „Bachelor-ErzieherInnen“ und „Master-ErzieherInnen“ den Weg der anderen ErziehungswissenschaftlerInnen gehen werden, dass sich zudem Probleme analog zu den universitären SozialpädagogInnenausbildungen in Tübingen und Lüneburg auftun werden, dass nämlich der hier ausgebildete Personenkreis keine tariflich angemessene Bezahlung erhalten wird.
Die politischen Forderungen zur Verbesserung der Ausbildung der Bildungsfachleute in den Kindertagesstätten können sich aber nicht an dem kleinen Personenkreis der universitär ausgebildeten ErzieherInnen orientieren. Angesichts der politischen und fiskalischen Entwicklung in Deutschland werden auch langfristig Erzieherinnen und Erzieher an Fachschulen ausgebildet werden. Es wird darum gehen, deren Rahmenbedingungen zu verbessern, die Qualität ihrer Ausbildung zu verbessern, um die Qualität der Bildungsarbeit in den Kindertagesstätten und den anderen sozialpädagogischen Einrichtungen zu steigern.

Anhebung der Eingangsvoraussetzungen

Die Idee der Anhebung der Eingangsvoraussetzungen auf Fachhochschulreife gründet sich in der Überlegung, dass mit diesem Abschluss per se ein höheres Maß an allgemeinbildenden Qualifikationen erworben wurde, welche sich z.B. nicht nur in kognitiven Anteilen, sondern insbesondere in Kompetenzen wie z. B. Abstraktions- und Analysefähikeit, Kommunikations- und Reflexionsfähigkeit abbilden. Demgegenüber wird der Gedanke, diese Kompetenzen in beruflicher Bildung zu erwerben, nicht gedacht, bzw. kann nicht gedacht werden, weil er der bei uns weitgehend zementierten Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung zuwiderläuft.

Mögliche Varianten einer aktuellen Verbesserung der Struktur der ErzieherInnenausbildung könnten wie folgt aussehen:

a) Die zukünftigen ErzieherInnen absolvieren ein einjähriges Vorpraktikum, das schulisch begleitet wird. Es schließt sich eine dreijährige Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik an, die mit dem Examen endet. Die SchülerInnen tragen nun die Berufsbezeichnung „Staatlich anerkannte ErzieherIn“. Parallel zur dreijährigen Ausbildung an der Fachschule wird auf die Abschlussprüfung zur Allgemeinen Fachhochschulreife vorbereitet, deren Abschluss verbindlich ist.

b) Analog zur Ausbildung im benachbarten Niedersachsen wäre es auch denkbar, einer zweijährigen Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin/ zum Sozialassistenten an einer Berufsfachschule vorzuschalten. Auch in dieser Ausbildungsvariante könnte der Erwerb der allgemeinen Fachhochschulreife integraler Bestandteil der Ausbildung sein.

c) Das Ausschöpfen der Möglichkeiten, wie sie die KMK mit der Regelausbildung von 5 Jahren formuliert, würde bedeuten, einer zweijährigen Ausbildung zum Sozialassistenten/ zur Sozialassistentin eine dreijährige Ausbildung an einer Fachschule für Sozialpädagogik folgen zu lassen. Diese Möglichkeit beinhaltete dann in der Tat die Chance einer erheblichen Qualitätsverbesserung der Ausbildung dieser sozialpädagogischen Fachkräfte und damit zugleich der Fachleute für die Praxis frühkindlicher Bildung und Entwicklung.


Bedingung aller denkbaren Varianten ist die Entwicklung von Curricula, die eine Verzahnung theoretischer und praktischer Anteile gewährleisten, beispielsweise in Modellen des Lernfeldkonzeptes, welches versucht theoriegeleitete und reflektierte Praxis mit praxisrelevanter Theorie zu verkoppeln.

Neustrukturierung der Ausbildung

In Bremen wurde vor ca. anderthalb Jahren auf Initiative des Sen. f. Finanzen die Diskussion um eine Neustrukturierung der ErzieherInnenausbildung belebt. Erklärtes Motiv seitens des Finanzsenators war die Einsparung der Praktikantengehälter während des Anerkennungsjahres.
Diese Neustrukturierung soll die in Bremen bestehende Trennung zwischen zweijähriger Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik (Sen. f. Bildung) und folgendem einjährigen Berufspraktikum (Sen. f. Soziales) curricular aufheben und als dreijährige Ausbildung mit unterschiedlich langen Praxisphasen an der Fachschule konzeptionell verankern.
Fachschule und Praxiseinrichtungen sind gefordert, ihre Ausbildungsansprüche zu koordinieren und in die Curriculumentwicklung einzubringen. Zu befürchten ist – man beachte den o. g. Initiator und die finanzielle Ausplünderung der Schulen in den vergangenen Jahren – dass die Neustrukturierung ausschließlich als Sparmodell aufgelegt wird.
Entsprechend den von der KMK 2002 formulierten Anforderungen an das Qualifikationsprofil staatlich anerkannter ErzieherInnen sind jedoch Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um sowohl in adäquater Ausbildungsstruktur als auch in der Verzahnung von Theorie und Praxis die Entwicklung und Evaluation fundierter Curricula voranzutreiben und in der Fachschulausbildung zu implementieren.

SucheHilfeEmailSitemap
Suche,Hilfe,Email,Sitemap