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16.09.2006 Gemeinsame Schule - bis zum mittleren Schulabschluss

von Hermann Tietke
Das Bildungsprogramm der niedersächsischen SPD – ein Modell auch für Bremen ?

Wohin geht die Reise in der Schul- und Bildungspolitik? Nach den Ergebnissen von PISA und anderen Vergleichsstudien hat die bildungspolitische Diskussion Fahrt aufgenommen. Bildung soll Priorität haben, heißt es bei allen Parteien, doch die schwierige Haushaltslage in vielen Bundesländern befördert nicht gerade eine Praxis, die sich auch in deutlichen entsprechenden Umschichtungen manifestiert.
Allerorten wurden Diskussionsrunden, „Runde Tische“, Qualitätsmanagementprozesse, Evaluationsrunden, Projektgruppen, KMK-Vorgaben in Gang gesetzt. Doch oft blieb das ungute Gefühl, dass die Zielorientierung nebulös war bzw. vorgegebenes Ziel und getroffene Maßnahme nicht unbedingt zueinander zu passen schienen.
Aufgrund ihres besonders guten Abschneidens in den internationalen Vergleichstests wurden die skandinavischen Länder oft als Vorbild gesehen, doch gerade Bremen zeigt, dass eine „Große Koalition“ nicht unbedingt das beste Bedingungsfeld für eine solche Weiterentwicklung ist. Schon nach der ersten PISA-Studie konnte man in der gleichen Ausgabe des Pressespiegels der Bildungsbehörde die unterschiedliche Bewertung nachlesen. Seitens der SPD wurde betont, dass sich Modelle einer möglichst langen gemeinsamen Schulzeit wie in Skandinavien bewährt hätten, die CDU betonte das gute Abschneiden der süddeutschen Bundesländer und die Überlegenheit des Gymnasiums gegenüber der Gesamtschule.
Dieser Grundkonflikt ist in der bremischen Bildungspolitik weiterhin existent und äußert sich dann z.B. im Beharren der CDU an Grundschulnoten, auch wenn alle Schulgremien dies für ihre Schule als pädagogisch nicht sinnvoll ansehen. Die Bremer SPD sollte nach der nächsten Bürgerschaftswahl, wenn sie denn vom Wähler in die Situation gebracht wird, hier ein klares bildungspolitisches Profil vorgeben und dieses auch so verhandeln, dass es im Interesse der Kinder auch „aus einem Guss“ bleibt. Eine gute Orientierung kann hier das Bildungsprogramm der niedersächsischen SPD vom Juni 2006 sein.
Die niedersächsische SPD hat in kritischer Betrachtung ihrer damaligen Position zur Aufgabe der Orientierungsstufe und mit der Erfahrung einer Politik der neuen CDU/FDP-Regierung zurück zu einem dreigliedrigen Schulsystem wie in den 50er Jahren nunmehr ein Konzept zur Bildungsreform vorgelegt , das von der vorschulischen Betreuung über die Hochschulen bis zur Weiterbildung alle Bildungsbereiche abdeckt und vor allem auch konkrete Finanzierungsvorschläge macht. Es wurde im Rahmen einer Projektgruppe und nach intensiver Konsultation von in- und ausländischen Fachleuten entwickelt. Hier einige Eckpunkte des Programms, bevor ich mich einem Schwerpunkt, dem Projekt „Gemeinsame Schule“ stärker widme.

Autor:
Hermann Tietke
AfB-Landesvorsitzender,
langjähriges GEW-Mitglied und Lehrer an der Erwachsenenschule

Frühkindliche Bildung

Aufgrund des hohen Stellenwerts dieser Phase hinsichtlich von Bildungschancen sollen Beratungsmöglichkeiten für die Eltern schon während der Schwangerschaft, Durchsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz bis 2013 (um auch die so wichtigen Kontakte mit gleichaltrigen Kindern zu gewährleisten), kostenloses erstes Kindergartenjahr umgesetzt werden; perspektivisch sollen auch die Kosten für das zweite und dritte Kindergartenjahr übernommen werden. Im 3. Kindergartenjahr werden zwei Termine zum Übergang in die Grundschule angeboten.


Grundschule/Primarstufe

Kindergarten und Grundschule sollen eng miteinander verzahnt werden, die Grundschule beginnt mit einer zweijährigen Eingangsstufe, in der gemischtaltrig gelernt wird.

Sekundarstufe I/ Gemeinsame Schule

Es soll keine neue „Schulreform von oben“ durchgesetzt werden, aber beginnend mit dem Jahr der angestrebten Regierungsübernahme sollen „Gemeinsame Schulen“ nach skandinavischem Vorbild angeboten und eingerichtet werden, in denen alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 10 gemeinsam unterrichtet werden. „Diese Schulen, die die starren Grenzen der Dreigliedrigkeit aufbrechen, sollen strikt auf das Prinzip des individuellen Förderns und Forderns verpflichtet werden“. Eine Umwandlung anderer Schultypen soll aber nur dann stattfinden, wenn die Mehrheit der jeweiligen Elternschaft dies unterstützt. Die „Gemeinsame Schule“ soll ihren Unterricht binnendifferenziert gestalten und wird als Ganztagsschule geführt.
Hier wird also ein Versuch unternommen, ein gut ausgestattetes Angebot zu machen, dass die frühzeitige Selektion z.B. im herkömmlichen dreigliedrigen Schulsystem (oder leichten Abwandlungen davon) vermeidet, zu einer größeren Chancengerechtigkeit beitragen, die Bildungsressourcen aller Kinder besser ausbilden und das auch durch Leistung überzeugen soll.
Dies könnte auch für Bremen ein interessantes Modell sein, wenn man sich die Entwicklung der Anwahlzahlen und der Schülerstruktur im Bereich der SEK I anschaut.
Die Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD würde diesen Ansatz gerne mit Euch und Ihnen diskutieren und lädt herzlich zu einer Veranstaltung mit dem Bildungspolitischen Sprecher der niedersächsischen SPD Wolfgang Wulf und Senator Willi Lemke am. 28.9. 2006 um 19.30 ins Konsul-Hackfeld-Haus ein.


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