| von Jürgen Burger | |
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| Der Auftritt von Prof. Jürgen Baumert beim „1. Stadtgespräch Schulentwicklung“ am 5.2. hat große Empörung unter den Bremer Lehrkräften ausgelöst, und das zu Recht. Wer uns eine „mangelnde Grundhaltung gegenüber dem Wert der Wissensvermittlung“ unterstellt, der richtet bildungspolitischen Flurschaden an. Als Beauftragter der Kultusministerkonferenz ist Baumert seit Beginn der PISA-Debatte Exponent derjenigen Kräfte, die eine Diskussion über die deutsche Schulstruktur und über die zu geringen Bildungsausgaben verhindern wollen. Wer aber die Rolle des Schulsystems und der Unterfinanzierung negiert, der landet auf der Suche nach einem Schuldigen automatisch bei den Lehrkräften. Er mobilisiert Elternängste und schreckt junge Menschen davon ab, den Lehrerberuf zu ergreifen.
In der ersten Sitzung des Fachausschusses war zunächst vorgesehen, neben Baumert auch Andreas Schleicher aus Paris einzuladen. Das von ihm repräsentierte internationale PISA-Konsortium hatte immer betont, dass die deutsche Schulstruktur die soziale Selektion fördert und dass insbesondere die unteren Klassenstufen besser ausgestattet werden müssen. Aber Frau Jürgens-Pieper hat ihn von der Einladungsliste gestrichen.
Schulentwicklung lässt sich nur mit den Lehrkräften betreiben und nicht gegen sie. Wer eine konstruktive Debatte zur Schulentwicklung in Bremen führen will, der muss sich von der Lehrerschelte Baumerts distanzieren. Hierzu war die Senatorin aber trotz mehrerer Nachfragen bisher nicht bereit.
Trotz dieses Eklats auf der ersten Veranstaltung des Fachausschusses wollen und müssen wir die Debatte weiter führen, welche Wege aus dem von der Großen Koalition angerichteten schulpolitischen Chaos sinnvoll und begehbar sind. Die freie Wahl der Schulart und des Schulstandortes nach der vierten Klasse hat zu Entwicklungen geführt, die Harry Eisenach auf den Seiten 5/6 dieses Heftes beschreibt. Hervorstechend ist dabei u.a. der Anstieg des Anteils von GymnasialschülerInnen um 15% innerhalb von vier Jahren. Zugleich wurde die Zeit bis zum Abitur auf 12 Jahre verkürzt. Auf den folgenden Seiten beschreiben KollegInnen aus den Gymnasien die Folgen, die diese „Reformen“ auf die Arbeits- und Lernbedingungen haben. Hieraus müssen politische Konsequenzen gezogen werden. Eine Möglichkeit zur Diskussion hierüber bietet sich u.a. auf der Sek.I-Tagung der GEW Bremen, die nach den Osterferien stattfinden soll.
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