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| 16.05.2009 Hans Stelljes (06. 05. 1928 – 03. 03. 2009) | ||||||
| von Werner Ihnen | ||||||||||||
| Am 3. März ging das Leben des engagierten Schulleiters und Gewerkschafters Hans Stelljes in Drangstedt im Kreise seiner Familie zu Ende. Über mehrere Jahrzehnte hat er die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Lande Bremen, die Fritz-Reuter-Schule und den BSC Grünhöfe in vorbildlicher Weise geführt. |
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| In die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, damals noch der Bremerhavener Lehrerinnen- und Lehrerverein, trat er 1951 ein. Schon bald übernahm er die ersten Aufgaben. 1961 wählten ihn die Mitglieder in Bremerhaven zum 1. Vorsitzenden. Diese Funktion nahm er bis 1974 wahr. Im Jahre 1971 kam das Amt des Landesvorsitzenden dazu, das er 1981 abgab. Er vertrat die Interessen der Bremerhavener und Bremer Kolleginnen und Kollegen gegenüber Verwaltung und Politik in vorbildlicher Wiese bis in die Bundesgremien. Nach seinem Ausscheiden aus dem Landesvorstand arbeitete Hans Stelljes in der Bundesschiedskommission mit, ein Amt wie für ihn geschaffen in seiner offenen und ausgleichenden Art. Hans Stelljes Gewerkschaftstätigkeit ist eine Erfolgsgeschichte. In seiner Zeit stiegen die Mitgliederzahlen in Höhen, die vorher und nachher nie wieder erreicht wurden. Er führte den Lehrerinnen- und Lehrerverein in den Deutschen Gewerkschaftsbund als Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das war mehr als nur eine Namensänderung. Neue Berufsgruppen wie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, in verstärktem Maße auch Kolleginnen und Kollegen des höheren Dienstes fanden nun in der GEW ihre bildungspolitische Heimat. Und die GEW wurde durch das Wirken von Hans Stelljes in den Gremien des DGB in zunehmendem Maße ein respektierter und geachteter Bündnispartner. Sein größter bildungspolitischer Erfolg war die Einführung des Stufenlehrers in die Besoldungsgruppe A13. Hier sollte das Land Bremen eine Vorreiterrolle in der Bundesrepublik übernehmen auf dem Wege zu dem Ziel: Gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit. Mit Beharrlichkeit und Ausdauer, in der Gesprächsführung freundlich und verbindlich, in der Sache aber hart und konsequent führte er die Verhandlungen mit dem Bremer Senat. Hans Stelljes, der zwar die Einführung einer eigenen L(ehrer) – Besoldung für den besseren Weg hielt, hatte auch hier den Blick für das Machbare. Ähnlich verhielt er sich bei der Einführung der Orientierungsstufe. Wie viele Grundschulvertreter hätte er die 5. und 6. Klassen lieber an den Grundschulen gesehen. Als die Entwicklung dann eine andere Richtung nahm, verwehrte er seine Zustimmung nicht, denn letztlich ging es um das längere gemeinsame Lernen aller Kinder. Die schwierigste Zeit während seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten waren sicher die politischen Auseinandersetzungen innerhalb der GEW in der Stadt Bremen, die letztlich zur vorübergehenden Spaltung des Stadtverbandes in zwei konkurrierende Stadtverbände führte. Beide Gruppierungen in einem Verband zu halten, sie immer wieder an den gemeinsamen Landesvorstandstisch zu bringen, das war eine der großen diplomatischen Meisterleistungen von Hans Stelljes. In der Sache hatte er einen klaren Standpunkt, monatlich nachzulesen in den Leitartikeln der Bremer Lehrerzeitung ( BLZ ). Klar analysierte er die Situation, er machte kein Hehl daraus, wie seiner Meinung nach die Lösung aussehen musste. In diesen Auseinandersetzungen konnte er schon einmal böse werden. Wenn er mit der rechten Hand eine leicht abweisende Bewegung machte, die linke Schulter und den linken Ellenbogen vorschob und seinen Redebeitrag mit den Worten: „Diese Kerle ...“ begann, dann war er hochgradig erregt und verärgert. Dennoch wurde er auch in solchen Situationen nicht laut und verletzend. | ||||||||||||
| Was Hans Stelljes als Gewerkschafter und Interessenvertreter forderte, lebte er in seiner Schule vor. Mit 31 Jahren übernahm er 1959 die neugegründete Fritz-Reuter-Schule in Grünhöfe, die er bis ans Ende seiner Dienstzeit 1991 leitete. Im Nachruf der Schule heißt es: „Hans Stelljes hat ... durch seinen ausgeglichenen, toleranten und freundlichen Umgang mit Schülern, Eltern und Lehrern den pädagogischen Charakter der Schule entscheidend geprägt“. Jeden Morgen ab 7:00 Uhr saß er im Lehrerzimmer, um jeden Mitarbeiter mit Handschlag und ein paar freundlichen Worten zu begrüßen. Auch den Schulkindern und den Eltern begegnete er mit viel Verständnis. Wo er helfen konnte, half er. Dass in einem sozialbenachteiligten Stadtteil wie Grünhöfe die Kinder mehr brauchen als den Unterricht am Vormittag war für Hans Stelljes selbstverständlich. Er engagierte sich im Stadtteil, was er auch von seinem Kollegium erwartete. Dem Grünhöfer Sportverein trat er 1962 bei. Viele Jahre war er dort Vorsitzender. In den Sommerferien organisierte er Freizeiten mit Kollegiumsmitgliedern im Schullandheim Bederkesa, ein Heim der Geestemünder Ferienkolonie, wo er natürlich Mitglied war und später Vorsitzender und Ehrenvorsitzender. Neben dem dienstlichen und gewerkschaftlichen Engagement liebte Hans Stelljes die Geselligkeit. Gesamtkonferenzen waren an der Fritz-Reuter-Schule ein besonderes Ereignis. Sie begannen immer mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken. Dann kam der dienstliche Teil, dem ein gemütlicher Ausklang folgte, der durchaus bis in den späten Abend dauern konnte. Er pflegte seine Freundeskreise und fand immer Menschen, die ihn in seinen Aktivitäten gern unterstützten. War die Stimmung besonders gut, dann wurde gesungen. Auch nach dem Ausscheiden aus Ämtern und Berufsleben interessierte sich Hans Stelljes weiterhin für pädagogische und bildungspolitische Themen. Besprochen wurden sie im Fritz-Gansberg-Kreis, einem lockeren Freundeskreis aus Bremer und Bremerhavener Gewerkschaftern. Diese Treffen fanden ihr Ende mit dem 11. September 2001, als am Tage des Anschlags auf das New Yorker World Trade Center Hans Stelljes seinen ersten Schlaganfall erlitt. Nach anfänglichen Besserungen seines Gesundheitszustandes gab es immer wieder Rückschläge bis er dann Anfang März im Kreise seiner Familie verstarb. Bis zuletzt behielt er seinen Optimismus, beklagte sich nicht, vertraute auf die Hilfe seiner Familie und die Künste der Ärzte und Pfleger. Mit Hans Stelljes ist ein verdienstvoller und engagierter Pädagoge und Gewerkschafter von uns gegangen, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Bildungspolitik entscheidend mitgestaltet hat. | ||||||||||||