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15.06.2006 Hat Bremen etwas mit dem OECD - Bericht zu tun?

Hellmut Lutz
Mit größter Sorge verfolgt AGIL (Arbeitsgruppe Interkulturelles Lernen in der GEW) die aktuellen Planungen des Senators für Bildung und Wissenschaft.
Der Koalitionsvertrag sieht für die nächsten Jahre erhebliche Personaleinsparungen vor. Entsprechend haben der Senat und die Deputation für Bildung für das Schuljahr 2006/07 75 Lehrerstellen gestrichen. Sie sollen wesentlich durch den weiteren Abbau der Förderung von sozial Benachteiligten und Migranten und durch Streichungen im Muttersprachen- und Deutschunterricht für Ausländer erbracht werden! Billigkräfte sollen als Lückenfüller die dort tätigen speziell qualifizierten LehrerInnen ersetzen!
An der Universität Bremen wird der Studiengang Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache entgegen wachsendem Bedarf und trotz eklatanten Mangels an Fachkräften sehr stark abgebaut!

Trotz allen Engagements der Lehrkräfte reicht der bisherige Förderunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund beim weitem nicht aus, weil den Schulen dafür seit Jahren schon zu wenig Stunden zugewiesen werden. Sollten, wie vorgesehen, billige Kräfte eingesetzt werden, die in der Regel nicht adäquat ausgebildet sind, ist die erfolgreiche Förderung hunderter von Kindern und Jugendlichen akut gefährdet!

Der UN-Sonderberichterstatter V. Munoz Villalobos stellte auf der Bundespresse-konferenz am 21. 2. 06 in Berlin deutlich heraus, dass Menschen, die sich in sozio-ökonomischer Armut befinden, gleichermaßen von Bildungsarmut betroffen sind.
Er hob die Tatsache hervor, dass in der BRD 50% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund nach Erreichen des Schulabschlusses keinen Ausbildungsplatz erhalten.
Munoz forderte Deutschland auf, einen entschlossenen Dialog über die Strukturen und Inhalte der Bildungssysteme zu führen, die frühe und vorschulische Bildung zu fördern und voranzubringen und unterstrich ausdrücklich, dass es nicht Aufgabe der Bildung ist, Probleme zu lösen, die nur von den Politikern gelöst werden können.

Laut dem neuesten Bericht der OECD zeigen die Auswertungen der PISA-Studie von 2003, dass in keinem Land der Welt die schulischen Leistungen der 15-Jährigen der zweiten Generation so schlecht sind wie bei uns und dass 40% der hier geborenen Migrantenkinder nur die unterste Stufe der Basiskompetenzen in Mathematik und Lesen / Textverständnis erreichen.
Bundesbildungsministerin Schawan kündigte immerhin als Reaktion eine „Gesamtstrategie“ für mehr Sprachförderung und Integration an.

Umso unverständlicher und besorgniserregender ist die kurzsichtige Entscheidung der Bremer Landesregierung, vor allem beim den Benachteiligten und Migranten zu sparen, die am meisten Förderung benötigen. AGIL protestiert gegen die gesellschaftlich unverantwortlichen und wirklichkeitsfremden Sparpläne der Bremer Politiker, die all den offiziellen Worten Hohn sprechen, die da verkünden, in den Bildungseinrichtungen den Schwerpunkt auf Ausländerförderung und Integration legen zu wollen.

AGIL fordert mehr Mittel und mehr qualifizierte PädagogInnen für die Förderung und Betreuung der jungen Menschen mit Migrationshintergrund, bessere Ausbildung von ErzieherInnen und LehrerInnen und Gebührenfreiheit der frühen und vorschulischen Bildung! Heute an der falschen Stelle zu sparen, wird uns morgen alle teuer zu stehen kommen!
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