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16.11.2006 Hort und Schule

von Christian Zell
Die Ganztagsschulen(GTS) in Bremen polarisieren. Der Koloss „Bildung“ feiert seine Antwort auf Pisa im Schulterschluss mit der Politik, als sei ein besonderer Geniestreich gelungen. Die ErzieherInnen aus der Jugendhilfe, genau genommen den Horten, stehen kopfschüttelnd davor und finden die Umsetzung alles andere als befriedigend.

Seitenabschnitte:
Ganztagsbetreuung ist nicht neu
Warum die Verknüpfung von Grundschule und Hort innerhalb der GTS Sinn macht
Wie sieht die Realität aus?

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Als Erzieher im Hort ist die Ganztagsschulentwicklung in Bremen seit Jahren auch für mich Gesprächsthema. Ich habe, wie viele andere KollegInnen, hohe Erwartungen an diese neue Schulform gestellt. Die Vorteile, die mit der Einführung der Ganztagsschulen verbunden sein können, haben bei vielen von uns den Wunsch geweckt, diese Entwicklung mitzugestalten. Vor einigen Jahren starteten die ersten Ganztagsschulen und ich habe nun den Eindruck, dass sich die meisten ErzieherInnen eine andere Umsetzung wünschen würden.


Ganztagsbetreuung ist nicht neu

Es gab sie in Form der Horte lange vor der GTS und die Aufgaben der Hortbetreuung waren und sind umfangreich. Kinder aus so genannten „Problemfamilien“ finden ebenso den Weg in den Hort, wie ganz „normale“ Kinder. Viele Hortkinder haben berufstätige und/oder allein erziehende Eltern. Der pädagogische Auftrag der ErzieherInnen ist eine ganzheitliche, familienergänzende Förderung. Der Blick ist bei dieser Arbeit auf das gesamte Umfeld des Kindes gerichtet, im Besonderen auf die jeweilige Schul- und Familiensituation. Dies schließt auch notwendige Integrationshilfemaßnahmen und die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen mit ein. Des Weiteren gehört Hausaufgabenunterstützung ebenso zu den Aufgaben, wie die Heranführung zu gesunder Ernährung. Soziale und kulturelle Werte werden vermittelt und die Kinder in der Entwicklung von Eigenverantwortung und Selbständigkeit unterstützt.
Eine Anmeldung im Hort ist dabei weder kostenfrei noch Pflicht. Die ständige Überprüfung der fachlichen Qualität ist unumgänglich, denn unzufriedene Eltern melden ihre Kinder wieder ab.

Warum die Verknüpfung von Grundschule und Hort innerhalb der GTS Sinn macht

Eine ernst gemeinte Kooperation beider Bereiche hätte viele Vorteile. Bei der gemeinsamen Elternarbeit und bei der Förderung von Kindern mit erhöhtem Hilfebedarf könnten Lernverhalten und Sozialverhalten aus verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachtet werden. Beide Berufsgruppen könnten von ihrem unterschiedlichen Fachwissen profitieren und sich professionell gegenseitig unterstützen, im Sinne einer teamorientierten Zusammenarbeit. Die Aufgaben der Klassenleitung könnten sinnvoll aufgeteilt, und Planungen gemeinsam diskutiert bzw. umgesetzt werden. Die ErzieherIn wäre ebenso für den reibungslosen Ablauf des Unterrichts verantwortlich, wie die LehrerIn für qualitativ hochwertige soziale Angebote. Das entspräche aus meiner Meinung nach einer GTS im Sinne ganzheitlicher Bildung und Erziehung.

Wie sieht die Realität aus?

Die HorterzieherInnen sind dazu angehalten, in den Schulen zu arbeiten. Wie bereits in der verlässlichen Grundschule sollen sie die Kinder „betreuen“, anscheinend nicht mehr und nicht weniger. Die von uns erhoffte Kooperation findet nicht oder nur selten statt. Selbst die Konferenzen stehen nicht allen ErzieherInnen offen. Gemessen am Hort ist die Qualität der Betreuungsangebote in der GTS überwiegend schlechter. Teilweise haben die ErzieherInnen für ihre Arbeit mit mehr als 20 Kindern nicht einmal feste, entsprechend ausgestattete Räume. Solche Bedingungen sorgen dafür, dass oft sogar nur noch „Aufsicht“ möglich ist. Auch die Hausaufgabenunterstützung ist man manchen Standorten nicht sichergestellt. Die pädagogische Begleitung der Mittagessens und auch dessen Qualität lässt meiner Meinung nach Wünsche offen.

Aus meiner Sicht wird die Ganztagsschule langfristig die Horte ersetzen. Die GTS könnte die Antwort auf Pisa sein. Sie sollte mit Unterstützung der Hortpädagogik Kinder, Eltern und LehrerInnen entlasten und zusätzliche Förderung, sprich bessere Bildungschancen, möglich machen. Hier sind alle gefragt, endlich einen guten und verlässlichen pädagogischen Rahmen für die Ganztagsschulen zu entwickeln. Bei der Erstellung eines solchen Konzeptes sollten die eingesetzten Erzieherinnen mit ihrer Fachlichkeit unbedingt beteiligt werden.

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