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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Januar 2009 16.01.2009 Jugend und Gewerkschaften | ||||||
| 16.01.2009 Jugend und Gewerkschaften | ||||||
| Interview mit Sabine Herold | ||||||
Unsere neue Landesgeschäftsführerin Sabine Herold war vor ihrer Einstellung bei der GEW Jugendbildungsreferentin des DGB in Bremen. Nichts lag also näher, als sie zu diesem Thema zu befragen.![]() | ||||||
| Jugendliche in Gewerkschaften? | ||||||
| Die verschiedenen Jugendstudien sagen aus, dass alle gesellschaftlichen Organisationen Schwierigkeiten haben, Jugendliche in die Arbeit zu integrieren. Entspricht das auch deinen Erfahrungen? Sabine: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Bereitschaft, in den bekannten Gremienstrukturen mitzuarbeiten, tatsächlich sehr gering ist. Andererseits sind junge Menschen durchaus bereit, bei entsprechenden Bildungsangeboten, bei Projektarbeit und einzelnen Aktionen aktiv mitzumachen. Beispiele hierfür sind Projekte zum Thema Rechtsextremismus und emanzipatorische Bildungsarbeit zum Thema Geschlechter/Gender. Dabei waren auch Studierende in die Bildungsarbeit einbezogen. Das war auch für sie eine wichtige Erfahrung. Auch „urgewerkschaftliche“ Themen wie Interessenvertretung und Mitbestimmung waren vertreten. Aus dieser Bildungsarbeit sind dann auch viele Jugendliche direkt in die Gewerkschaft gekommen. Zum anderen gibt es auf der betrieblichen Ebene Anknüpfungspunkte. In den großen Betrieben gibt es aktive Jugendvertretungen. Das läuft über die Einzelgewerkschaften. Wichtig ist auch der Austausch zwischen den Jugendvertretungen, da die Probleme oft ähnlich sind. | ||||||
| Längerfristige Bildungsprogramme | ||||||
| Gibt es auch längerfristige Bildungsprogramme? Sabine: Ja, es gibt zum einen die Stufenlehrgänge, insbesondere für Jugendvertretungen, und zum anderen die politische Bildung, z.B. Organizing-Seminare, Internationalismus, Social-justice-training. Veranstalter sind z.B. das DGB-Jugendbildungswerk, Arbeit und Leben und das Bildungswerk von verdi. | ||||||
| Organizing als Lösungsansatz? | ||||||
| Was versteht man unter Organizing? Sabine: Das ist ein Konzept, das ursprünglich aus den USA kommt und auf die veränderten Strukturen reagiert. Es geht, gerade dort, wo keine Betriebsräte vorhanden sind, um langfristige Arbeit im Stadtteil. Sog. Organizer gehen nicht nur direkt in die Betriebe, sondern nutzen verschiedene Ansatzpunkte | ||||||
| Social-Justice-Training? | ||||||
| Was versteht man unter Social-Justice-Training? Sabine: Dieses Angebot gibt es von der DGB-Jugend, auch auf Bundesebene. Es geht um die Auseinandersetzung mit verschiedenen Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Behindertenfeindlichkeit , um soziale Gegensätze und Geschlechterrollen. Es gibt ausgebildete TeamerInnen, die mit den Jugendlichen arbeiten. Die Beteiligung an diesen Seminaren ist gut. Die TeamerInnen kommen oft aus dem Kreis der Studierenden. Hier besteht ein gestiegenes Interesse, Praxiserfahrungen zu sammeln. | ||||||
| Gewerkschaften in Schulen | ||||||
| Was bieten die Gewerkschaften für die Schulen an? Sabine: Für die Berufsschularbeit gibt es z.B. einen Projekttag über Demokratie und Mitbestimmung. Dort werden Interessengegensätze zwischen Kapital und Arbeit, Probleme in der Ausbildung und ähnliche Themen behandelt. Es gibt jedes Jahr ein bis zwei Berufsschultouren über mehrere Tage. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Jugendsekretäre der Einzelgewerkschaften in die Klassen gehen. Es gibt Ausstellungselemente, eine Art Parcour, den sich die SchülerInnen ansehen und Fragen dazu bearbeiten. Einige BerufsschulkollegInnen arbeiten sehr engagiert mit den Gewerkschaften zusammen. Die Angebote gibt es auch für allgemeinbildende Schulen. | ||||||
| Hauptprobleme | ||||||
| Wo siehst du die Hauptprobleme? Sabine: Ich glaube, dass eine Mentalität des „jeder ist seines Glückes Schmied“ um sich gegriffen hat. Es werden Ursachen für die Probleme nicht in den Strukturen, sondern bei sich selbst gesucht. „Du musst halt noch mal ein Praktikum machen“, „du musst dich fit halten“, „du musst dich noch mal bei XY melden, der gute Kontakte hat“, das „Verkaufen“ der eigenen Person – solche Haltungen haben auf jeden Fall zugenommen. Das wird ja auch stark über die Medien transportiert. Viele Jugendliche bekommen trotz dieser Bemühungen keine Lehrstelle und werden in „Maßnahmen“ untergebracht. sabine Dieser Bereich ist sehr wichtig, und es wird gerade ein Konzept für Bildungsarbeit mit diesen Jugendlichen erarbeitet. | ||||||
| Was können Lehrkräfte tun? | ||||||
| Wie können Lehrkräfte die Entwicklung gewerkschaftlichen Bewusstseins und Erngagements aus deiner Sicht unterstützen? Sabine: Sie können z.B. unter dem Thema „Berufsorientierung“ engagierte Jugendliche einladen, die über ihre Erfahrungen berichten. Das können zum einen ehemalige SchülerInnen der Schule sein, zum anderen können auch entsprechende Kontakte über die DGB-Jugend bzw. die Jugendsekretäre der Einzelgewerkschaften hergestellt werden (siehe unten und unter www.dgb-jugend.de). Lehrkräfte werden bombardiert mit Hochglanzbroschüren der Unternehmerverbände. Wichtig wäre, dass es mehr alternative Materialien gibt, z.B. zum Thema Globalisierung. Solche Materialien gibt es bisher zu wenig. Es gibt Ansätze von der Hans-Böckler-Stiftung (Schulprojekte [at] boeckler.de). Das muss ausgeweitet werden. Wichtig ist auch das persönliche Beispiel. Lehrkräfte sollten durchaus erwähnen, dass sie selbst Gewerkschaftsmitglied sind. Vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Jürgen Burger | ||||||
| Angebote und Kontakt: | ||||||
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