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16.02.2009 Muttersprachlicher Unterricht in der Grundschule

Ein Interview
von Wilfried Meyer
Wir haben eine Mutter im Stadtteil Gröpelingen zum MUT befragt, ungewöhnlich genug, dass sich eine Mutter dazu bereit erklärt hat. Oft trifft man eher auf die Väter.

Seitenabschnitte:

 Interview_Muttersprachenunterricht.pdf
 Vollständiges Interview
zum Downloaden

„Frau S. (Name der Red. bekannt), wieso sprechen sie so gut deutsch?“
S.: „Ich bin hier geboren und hatte selbst guten MUT in der 5.und 6. Klasse, spreche gern und viel deutsch. Meine Eltern haben mich in den 80ern leider nach der 1. Klasse in Gröpelingen in die Türkei zu den Großeltern geschickt, das war ein Fehler, es hat der Sprache geschadet.“

Wie sprechen sie zuhause ?
„Überwiegend türkisch, die Kinder eher deutsch, oder manchmal auch deutsch-türkisch. Die Kleine im Kindergarten nur deutsch.“

Was soll der MUT bewirken ?
„Die Kinder sollen die Sprache beherrschen, auf jeden Fall eine Sprache gut, damit sie die andere besser lernen können. Auch soll unser Sohn seine Muttersprache nicht vergessen, er soll Bescheid wissen über die Geschichte der Türkei, die Gründung durch Atatürk, das osmanische Reich und auch die Kultur kennen lernen. Meine Erfahrung ist, dass eine gute Sprache das Lernen leichter macht. Und dafür muss es einen großen Wortschatz geben, sonst kann man sich nicht gut unterhalten. Halb und Halb ist schlecht, wir sagen Misch-Masch dazu.“

Wie viele Stunden hat ihr Sohn Unterricht ?
„Er hat 4 Stunden pro Woche in den Randstunden, die Belastung ist ok, er geht gerne hin, sie machen auch Spiele, singen Lieder, sprechen über Feiertage und die türk. Geschichte. Außerdem geht er noch 2 Std. am Wochenende in die Moschee. Aber er macht auch gern Sport, geht zum Teakwondo.“

Was wünschen sie sich für MUT?
„Er soll prima lesen können und auch alle Buchstaben gut lernen, es gibt ja verschiedene im Türkischen. Deshalb soll auch der MUT unbedingt bleiben, weil wir das so zuhause nicht leisten können.“

Also ist Sprache für sie sehr wichtig. Wir Lehrer denken manchmal, dass die Eltern weniger deutsch sprechen als früher. Ist das so?
„Ja das stimmt. Frauen, die hier heiraten, also nachkommen, sprechen wenig deutsch und haben dann Hemmungen zu sprechen. Gut ist, dass sie verpflichtend Kurse besuchen sollen. Viele sprechen auch ein komisches Türkisch, weil sie weder deutsch noch türkisch gut können. Dann wechseln sie immer hin und her in der Sprache.“

Heute wurde eine Studie veröffentlich zur Integration der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Bremen und besonders die türkischstämmigen Mitbürger schneiden sehr schlecht ab. 30% erhalten nicht mal den Hauptschulabschluss. Haben sie eine Erklärung ?
„Oft fehlt der Wortschatz, die Grammatik auch. Ich lese viel und finde, dass keine gute Muttersprache auch heißt, dass man sich schlechter integrieren kann. Misch-Masch –Sprache bringt keinen Vorteil. Und dieser Mangel wirkt sich doch auf das Lernen in allen Fächern aus. Wir spielen zuhause immer das Mischmaschspiel.“

Wie geht das ?
„ Wer ein Wort nicht weiß und dann in die andere Sprache springt, der muss 10 Cent in die Kasse tun. Besser ist es also nachzuschlagen oder zu fragen wie das Wort heißt.“

Sollten Eltern mehr machen ?
„Ja, Eltern müssen sich darum kümmern was in der Schule läuft? Ich spreche 1mal im Monat mit der Klassenlehrerin. Manche Eltern können das schlecht, weil zu wenig Sprache da ist. Es gibt auch das Vorurteil, dass man ab 30 nichts mehr in den Kopf bekommt, nichts dazu lernt. Das ist natürlich Unsinn, aber manche glauben das.“

Wie sollte es mit MUT weitergehen?
„Auf jeden Fall muss er erhalten bleiben; gut, dass es in dieser Schule angeboten wird, an manchen Schulen fehlt dieser Unterricht.“

Frau S., vielen Dank für das Gespräch.

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