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16.11.2006 Oberzensor Willi Lemke?

...fragt die BLZ
Am 5. Oktober hat der Personalrat Schulen Bremen in einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Lehrerbefragung während der Personalversammlung am 1.6.2006 vorgestellt (s. die Presseberichte am nächsten Tag). Die Auswertung und deren Zusammenfassung hatte Prof. Hans-Georg Schönwälder übernommen.

Nach den Herbstferien teilte Hans-Georg Schönwälder dem Personalrat folgendes mit:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Herr Senator Willi Lemke hat in obiger Sache nach großer Verwunderung an den Rektor der Universität geschrieben und ihm mitgeteilt, meine Zusammenfassung enthalte peinlich methodische Mängel in Bezug auf die Repräsentativität der Befragung und des z.T. fehlenden inhaltlichen Zusammenhangs der Fragen. Hinzu komme der polemische Ton der Zusammenfassung in der mit Unterstellungen gearbeitet würde, die ohne Bezug zu den Antworten eine Meinungsäußerung des Autors darstellten. Der Senator fühlt sich abschließend bemüßigt, den Rektor zu fragen, ob er nicht auch der Meinung sei, dass die Zusammenfassung für die Pressekonferenz aus einer wissenschaftlichen Einrichtung der Universität in diametralem Gegensatz zu den beispielhaften Bemühungen der Universität stehe, durch weitere exzellente Arbeit ihren Ruf noch weiter zu verbessern.
Erwartungen zum Verhalten des Rektors der Universität hat der Senator nicht geäußert. Dem Rektor steht es somit frei, sich sein Teil zu denken - und mir nebenbei auch.
Der Rektor der Universität hat mir fairerweise die Ausführungen des Senators zur Kenntnis gegeben und mich um Stellungnahme gebeten. Deren Text übermittle ich Ihnen als Anlage.

 OberzemsorWilleLemke.pdf
 Vollständiger Artikel
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Stellungnahme zum Schreiben des Senators für Bildung zu einem Bericht über eine Lehrerbefragung am 1.06.2006.

Sehr geehrter Kollege Müller,

vielen Dank für die Übersendung einer Kopie des Beschwerdebriefes des Senators für Bildung über mich. Es tut mir leid, Sie – unbeabsichtigt natürlich - in die Situation gebracht zu haben, auf so etwas antworten zu sollen. Allein schon deshalb will ich mich bemühen, Ihnen die Anmutung einer Stellungnahme zu erleichtern.

Zum Sachverhalt:

Sowohl im Text der Zusammenfassung der Auswertung einer Lehrerbefragung als auch in der Langfassung fällt das Wort „Gutachten“ nicht. Es handelt sich, wie benannt, um eine Datenauswertung. Allerdings bin ich nicht ganz unbeteiligt gewesen an der Auswahl von 11 Fragen aus unserem 180 Fragen umfassenden Fragebogen zur Belastung im Lehrerberuf, der ich zugestimmt habe, und an der Neuformulierung einer Frage. Verändert wurde auch die Anzahl der Antwort-alternativen zu einer 5er Skala, um einer als Manipulation unterstellbaren Tendenz zur Dichotomisierung entgegen zu wirken. Außerdem wurde für die zweite Hälfte der Fragen aus dem gleichen Grund der Duktus der erbetenen Stellungnahmen umgestellt. Damit sollte zum einen verhindert werden, dass die Antworten der Lehrerinnen und Lehrer einmal mehr den Eindruck des Jammerns hervorrufen und andererseits der Senator und seine Behörde monieren könnten, nach ihren Intentionen seien nur unfaire Erkundigungen eingezogen worden. Dass die Antwortverteilung insbesondere im zweiten Teil des Fragebogens das Haus des Senators – und wegen seiner Verantwortung letztlich ihn selbst.- eher desavouiert, mag für ihn betrüblich sein. Aber wenn es so ist, dann ist es eben so.

Seitens des Personalrats sind jene Fragen ausgewählt worden, von denen diese Fachkundigen vor Ort meinten, sie beträfen in aller Kürze das Wesentliche der Arbeitsbelastung im Lehrerberuf. Der Fragebogen für den 1.Juni 2006 sollte aber aus realitätsnahen Erwägungen nicht mehr als eine Seite umfassen. Das wurde gerade eben geschafft. Selbstverständlich hätten alle Beteiligten am liebsten die - völlig illusorische - Möglichkeit realisiert, unser seinerzeit 180 Fragen umfassendes und im Auftrag der damaligen Bildungssenatorin entwickeltes Erhebungsinstrument erneut einzusetzen. Dem Senator steht es frei, das zu tun.

Festzuhalten bleibt, 744 Lehrerinnen und Lehrern von 5000 sind eine relevante Menge und nicht so einfach vom Tisch zu wischen. Weder Herr Lemke noch seine Behörde haben eine vergleichbare Anzahl von LehrerInnen befragt. Das könnte nachgeholt werden! Es zählt nicht, die Repräsentativität in Frage zu stellen. Damit Aussagen über Sachverhalte in Frage zu stellen, lernt man im dritten Semester über empirische Forschungsmethoden. Aber auch der Standardzweifel bedarf der Begründung, die über ein Gefühl (von Peinlichkeit) hinaus geht.

Nach der Datenerhebung auf der im Titel genannten Lehrerversammlung habe ich der Bitte entsprochen, die mir übergebene Datei auszuwerten und zu interpretieren. Das lag um so mehr nahe, als ich und wir uns seit Jahren auf empirischer Basis mit der Arbeitsbelastung im Lehrerberuf befassen. Ohne auf senatorische Peinlichkeit und als unangenehm empfundene Wahrnehmungen einzugehen, möchte ich auf zwei fast archaische und somit altbekannte Argumentationsmuster verweisen:

  • In jedem Justizgebäude wird es vermutlich arbeitstäglich zur Infragestellung von Zeugenaussagen durch Hinweis auf Befragungs- und/oder persönliche Mängel der Befragten kommen.
  • Der Bote schlechter Nachrichten wurde – nicht nur im klassischen Altertum – bestraft.

Was kann ich dafür, wenn eine beträchtliche Anzahl von Lehrkräften Auskünfte gibt, die Herrn Lemke nicht passen ? Vielleicht ist ihm die Ablehnung seiner Politik durch die Lehrkräfte von Schulen in Bremen – und, wie ich annehme, der Lehrerschaft Bremens - unverständlich. Aber sollte es nicht selbst bei Zweifeln sinnvoll sein, sich Gedanken darüber zu machen, wie es dazu kommt, dass ein beträchtlicher Teil der Bremer Lehrerschaft dem Bildungssenator widerspricht ?

Damit komme ich zum letzten Punkt des Monitums von Herrn Senator Lemke, dem „polemischen Ton“ meiner mit „Unterstellungen“ arbeitenden Zusammenfassung der Interpretation der Befragungsergebnisse.

Ich bekenne mich schuldig, die Antwortverteilungen der Befragung in aller Deutlichkeit präsentiert zu haben – für überspitzt kann ich das immer noch nicht halten. Der Nebenbedeutung von Polemik, nämlich ´unsachlich kriegerische Auseinandersetzung´, kann ich keinen Wiedererkennungswert abgewinnen. Selbstverständlich habe ich die Antwortverteilungen im Kontext des mir Bekannten zur Pädagogischen Arbeit der Lehrer – nicht zuletzt in Bremen - klar ausgedrückt. Das ist mein Recht; ich meine auch meine Pflicht.

Ich hoffe, Ihnen eine Antwort auf den Brief des Senators erleichtert zu haben.

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