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16.01.2008 Personalratswahl Bremerhaven


Die vergangene Personalratssaison verlief unter sportlichen Aspekten auf hohem Niveau mit Siegen und Niederlagen und endete mit einem Wechsel der Aufsichtsratspitze in Bremen, wobei das PR-Team in Bremerhaven sich noch nicht über die Mangagementqualitäten der neuen Vorsitzenden Jürgens-Pieper im Klaren ist.
Als vorteilhaft jedenfalls sehen wir die Tatsache an, dass wir bei dieser Besetzung aus dem Sportjargon von Willi Lemke zurück zur pädagogischen Sprache kommen und hoffentlich beide Seiten die gleiche Begrifflichkeit benutzen.
Insbesondere wird die neue Senatorin daran zu messen sein, inwieweit in ihrem Handeln zu erkennen ist, dass das Bundesland Bremen aus zwei gleichberechtigten Städten besteht - nämlich Bremen und Bremerhaven - und Bildungspolitik nicht nur den stadtbremischen Gegebenheiten Rechnung tragen darf.
Der PR-Schulen Bremerhaven wird nicht müde werden, diesen Aspekt in der Deputation für Bildung sowie in Gesprächen und Verhandlungen mit „LandesvertreterInnen“ in den Vordergrund zu stellen.

Seitenabschnitte:
Bremerhavener Verantwortung
ReferendarInnen und LehrerInnen für Bremerhaven
Mit einer veralteten LehrerInnenausbildung in die Zukunft?
Eigenverantwortliche Schule als Mangelverwaltung?
Generationswechsel im Personalrat Schulen Bremerhaven





Bremerhavener Verantwortung

Besonders zum Tragen kommt der Bremerhavenaspekt bei der Referendarsausbildung, der Frage der künftigen Schulstruktur (Zweigliedrigkeit oder Schule 1 – 10) sowie der festzusetzenden Lehrer-Schüler-Relation für Bremerhaven vor dem Hintergrund der Bremerhavener Bildungsbeteiligung und Sozialstruktur.
Allerdings sind die Ansprechpartner in diesem Punkt für den Personalrat Schulen nicht nur in der Stadt Bremen zu finden, sondern hier fordern wir die Verantwortung bei den Bremerhavener Lokalpolitikern ein. Auch hier hat die „Aufsichtsratspitze“ gewechselt . Der singende Dezernent Wolfgang Weiß hat das Amt übergeben an den AWI-erfahrenen Rainer Paulenz, der seit November 2006 die Bremerhavener Schulgeschicke lenkt und unser kommunaler Ansprechpartner ist. Von ihm erwarten wir – und werden es auch immer wieder einfordern – dass er die Interessen der Bremerhavener Schulen und KollegInnen nachdrücklich in Bremen vertritt.

ReferendarInnen und LehrerInnen für Bremerhaven

Seit langer Zeit weisen GEW und PR-Schulen immer wieder darauf hin, dass in Bremerhaven in den kommenden zehn Jahren ca. 800 von 1200 LehrerInnen in den Ruhestand gehen werden , die ohne eine große Kraftanstrengung nicht ersetzt werden können. Deshalb sind frühzeitige Einstellungen (auch über den Bedarf hinaus) notwendig, bevor die anderen Bundesländer ebenfalls auf die Mangelsituation reagieren. Bislang allerdings scheinen die Verantwortlichen in Stadt und Land lieber die Augen vor der heranrollenden Katastrophe zu schließen und auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Sie unternehmen keine ernsthafte Anstrengungen, aktiv um neue KollegInnen in der Republik zu werben oder einen materiellen Anreiz zu bieten. Vielmehr wird durch den Senat durch das Verweigern der Gehaltserhöhung für BeamtInnen und die Streichung der Sonderzahlungen der Anreiz ins Bundesland Bremen zu wechseln (insbesondere in das kleinere, abgelegenere Bremerhaven) noch weiter heruntergeschraubt. A12 in Bremen ist ein paar hundert Euro weniger wert als A12 in Niedersachsen, Hamburg oder Schleswig-Holstein.
Wir werden auch in der kommenden Legislaturperiode nicht aufhören, genau an dieser Stelle immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und Öffentlichkeit herzustellen. Durch aktives Mitwirken des PR-Schulen ist es gelungen, das Einstellungsverfahren um einige Monate nach vorne zu ziehen, noch bevor die umliegenden Bundesländer ausgeschrieben haben.
Ähnlich schwierig gestaltet es sich, ReferendarInnen in ausreichender Zahl und mit den richtigen Fächern für Bremerhaven zu gewinnen. Ein starres und unflexibles Zuweisungsverfahren des LIS in Bremen ermöglicht es selbst zukünftigen KollegInnen, die gerne nach Bremerhaven kommen würden, im Nachrückverfahren nicht, das Referendariat hier anzutreten. Die Referendarsausbildung ist ein Nadelöhr bei der Nachwuchsgewinnung für Bremerhavener Schulen, denn ReferendarInnen, die hier ihre Ausbildung gemacht haben, bleiben auch häufig vor Ort. Deshalb sind in dieser Frage Politik und Schulverwaltung gefragt, Bremerhaven auch über die Stadtgrenze hinaus attraktiv für junge LehrerInnen zu machen. Unsere Unterstützung wäre ihnen sicher.

Mit einer veralteten LehrerInnenausbildung in die Zukunft?

Bis zum Jahr 2005 hatten wir im Lande Bremen mit der Stufenlehrerausbildung eine an der Schule der Zukunft orientierte Ausbildung. Mit Einführung des Bachelor-Master-Studienganges kam es gleichzeitig zum Rückfall in die lehramtsbezogene LehrerInnenausbildung ( G- H - R- Gy- So- Gesamt) an der Universität, die der Idee einer „Schule Klasse 1 -10“ bzw. einer „Schule für alle“ diametral entgegen läuft.

Der PR-Schulen wird sich weiter intensiv mit der ReferendarInnenausbildung auseinandersetzen. Ab November 2005 hatte es hier einschneidende Veränderungen gegeben: Die Ausbildung wurde zu wesentlichen Teilen vom LIS in die Schule verlegt (weniger Betreuung durch FachleiterInen- Übernahme der Ausbildung durch bis zu diesem Zeitpunkt nicht ausgebildeteter MentorInnen), der bedarfsdeckende Unterricht wurde auf zehn Stunden erhöht, damit die MentorInnen eine Stunde entlastet werden können. Bis zum heutigen Tag gibt es seitens der Bildungsbehörde keine Erfolgsüberprüfung des veränderten Referendariats, dem PR-Schulen und auch dem LIS werden aber regelmäßig gravierende Mängel dieses Systems rückgemeldet. Aber: Auch ohne Evaluation soll es bereits zum 1.5.2008 ohne größere öffentliche Diskussion die nächsten gravierenden Veränderungen geben , die den ReferendarInnen erheblich mehr in kürzerer Zeit abverlangen. Konkret heißt das: Verkürzung des Referendariats von 24 auf 18 Monate, Einführung eines Portfolios als Prüfungsbestandteil, bedarfsdeckender Unterricht auch in der Prüfungsphase, ein zusätzliches Kolloquium zur schriftlichen Hausarbeit usw.
Der Personalrat setzt sich dafür ein, dass die veränderte Ausbildungsverordnung und deren Folgen für ReferendarInnen und Schulen ausgewertet werden , bevor es kommentarlos zur nächsten Novellierung geht.


Eigenverantwortliche Schule als Mangelverwaltung?

In der Stadt Bremen wird der Modellversuch eigenverantwortliche Schule bereits in naher Zukunft starten, Bremerhaven wird nicht viel länger davon verschont bleiben. Der Personalrat befürchtet, dass es hierbei nicht wirklich um Eigenverantwortlichkeit der Schulen geht, sondern die Schulen lediglich die Mängel selber verantworten sollen. Es ist nirgends die Rede davon, dass die Behörde sich zurückzieht und den Schulen mehr Freiheiten gibt, sondern das Schulverwaltungsgesetz bleibt mit seinen hierarchischen Strukturen erhalten. Die Schulleitungen werden lediglich gegenüber dem eigenen Kollegium gestärkt, aber die Freiheit pädagogische Veränderungen eigenständig vorzunehmen, erhalten die Schulen nicht. Die Gefahr zunehmend prekärer Beschäftigungsverhältnisse steigt bei Personalhoheit der Schulen mit einem gedeckelten Schulbudget ( möglichst viel Personal für wenig Geld).
Ungeklärt ist auch die Rolle der personalrätlichen Vertretung an der Eigenverantwortlichen Schule. Hier muss mit Hilfe des überschulischen Personalrates die Stellung der Personalausschüsse gestärkt und abgesichert werden.
Wir erwarten, dass zuerst die Rahmenbedingungen klar definiert sind bevor die Schulen in ein Abenteuer geschickt werden, dessen Ausgang ungewiss ist. Dies gilt sowohl für den finanziellen, als auch den pädagogischen und den personellen Rahmen.

Generationswechsel im Personalrat Schulen Bremerhaven

Überall in den Schulen ist es langsam sichtbar: der Generationswechsel in den Kollegien hat begonnen. So auch beim Personalrat Schulen Bremerhaven. Für die GEW-Liste ist es uns nicht nur gelungen KandidatInnen aus den unterschiedlichen Schularten , vom nicht-unterrichtenden Personal und den ausländischen KollelgInnen zu gewinnen, sondern neben den erfahrenen älteren KollegInnen kandidiert eine Anzahl von KollegInnen, die die neue LehrerInnengeneration vertreten. Das kann nur ein Erfolg werden.

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