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| 16.04.2008 Schlupfwespen in der Bremer Bildungslandschaft | ||||||
| von Elke Baumann Landesvorstandssprecherin | ![]() | |||||||||||||
| Am 4. März fand eine Veranstaltung der GEW zum Thema „Schleichende Privatisierung an Schulen am Beispiel der Bertelsmann-Stiftung“ statt. Der Hauptreferent Horst Bethge, einer der Autoren von „Netzwerk der Macht – Bertelsmann“, benutzte ein anschauliches Bild, um die Strategie der Bertelsmann-Stiftung (BS) zu verdeutlichen: Die Schlupfwespe; sie legt ihre Eier z.B. in Raupen ab. Die frisch geschlüpften Schlupfwespenlarven ernähren sich von der Raupe und töten sie damit. Während Schlupfwespen in der Natur einen großen Nutzen haben, ist der Nutzen der BS und der damit verbundenen Ideologie für das Bildungswesen doch sehr kritisch zu sehen. |
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| Bethge schlug einen großen Bogen über das GATS-Abkommen (Bildung als Ware), nannte Privatisierungsbeispiele aus anderen Ländern und lieferte schließlich etliche Beispiele zur Einflussnahme der BS auf das deutsche Bildungswesen. Dabei leitet die BS meistens das jeweilige Projekt und bindet bei relativ kleinem eigenem Finanzierungsanteil den Staat in zusätzliche Investitionen. So führt die BS z.B. in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg gemeinsam mit den Schulministerien das Projekt „Selbständige Schule“ durch. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass wir viel zu wenig über den Einfluss der BS auf das Bremer Bildungswesen wissen. Bekannt ist z.B., dass es einen Vertrag zwischen der BS und der Bremer Bildungsbehörde für SEIS (Selbstevaluation in Schulen) gibt, für das sich im Land Bremen im Schuljahr 2005/2006 bereits 19 Schulen angemeldet hatten (Kosten für die einzelne Schule zwischen 80 € und 480 €). Auch das Projekt „Schule mit vorbildlicher Berufsorientierung“ wurde durch die BS initiiert. Inzwischen sind 25 Schulen aus Bremen und Bremerhaven daran beteiligt. Seit 2004 ist Bremen Mitglied im „Netzwerk Berufswahl-SIEGEL“ der Bertelsmann Stiftung. Diese Information erhält man z.B. auf der offiziellen Homepage des LIS, die unter dem Stichwort einen direkten Link zur BS vorhält. http://qsw.lis.bremen.de/qualitaetssiegel/netzwerk.htm http://www.netzwerk-berufswahl-siegel.de/194.0.html?&tx_jppageteaser_pi1[backId]=1 | ||||||||||||||
Von großem Interesse war in diesem Zusammenhang, dass eine ehemalige Referentin der BS in der Bremer Bildungsbehörde sowohl für das SEIS-Projekt als auch für das Projekt „Eigenverantwortliche Schule“ zuständig ist. Die Veranstaltungsteilnehmer forderten deshalb den Landesvorstand der GEW auf, für die Umsetzung des Gewerkschaftstagsbeschlusses vom Oktober 2007 zu sorgen. Der Bremer Gewerkschaftstag hatte den Landesvorstand beauftragt, sowohl eine Übersicht über den bisherigen Stand der Einflussnahme der BS auf die Bremer Schul- und Hochschulpolitik und deren Institutionen als auch eine Übersicht über die Zusammenarbeit der Bildungsbehörde mit der BS zu erstellen und zu veröffentlichen. Außerdem sollte die Bremer Bildungssenatorin aufgefordert werden, sofort die Verträge zwischen BS und Bremer Senat zu veröffentlichen. Die GEW hat auf eine entsprechende Anfrage noch keine Antwort von der Senatorin erhalten. Insgesamt bestand Einigkeit darin, dass es notwendig ist, das Wirken der BS aufmerksam zu verfolgen. Dazu kann es sehr sinnvoll sein, sowohl die Homepage der BS zu besuchen als auch die Homepage der eigenen Schule oder Einrichtung genauer anzusehen; manchmal stößt man dabei unerwartet auf die BS. Außerdem wurde die Notwendigkeit betont, sich gegen die „Verbetriebswirtschaftlichung“ schulischer Prozesse zur Wehr zu setzen. Dabei kommt es vor allem darauf an, eine Entsolidarisierung der Kolleginnen und Kollegen an den Schulen zu verhindern und stattdessen kollektives Handeln zu verstärken. Das betrifft z.B. die Mehrarbeit im Rahmen des neuen Managements sowie die Erhebung von Daten jeder Art. Denn ganz im Gegensatz zur Strategie der BS, die nach dem Motto „Evaluation tut nicht weh, sondern hilft; Daten sind unsere Freunde.“ agiert, waren die TeilnehmerInnen der Veranstaltung besonders über die Weitergabe erhobener Daten an Dritte sehr besorgt. Hierzu gab es den Hinweis, dass sich Eltern durch eine einfache Erklärung (Wir sind mit der Weitergabe dieser Daten nicht einverstanden.) schon häufig erfolgreich gegen diese Praxis wehren konnten. In diesem Zusammenhang wurde der Personalrat Schulen aufgefordert, Kontakt mit dem Datenschutzbeauftragten aufzunehmen, um überprüfen zu lassen, welche Datenerhebungen im Rahmen von Evaluationen überhaupt rechtlich zulässig sind und unter welchen Bedingungen diese Daten an Dritte weitergegeben werden dürfen. Weitere Informationen zu diesem Thema sind unter www.gew-hb.de zu finden. Dort kann man sich auch die BLZ vom Februar 2007 , die ja die Privatisierung als Schwerpunktthema hatte, als auch die BLZ vom Dezember 2007 noch mal anschauen. | ||||||||||||||
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