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16.02.2009 Schul - Privatisierungskonferenz

von Eberhard Pfleiderer
Es gibt sicher niemand an unseren Schulen, der noch nicht in irgendeiner Form in die schleichende Privatisierung im Schulwesen eingebunden war, manchmal ohne es zu wissen: Angebote wie „schule+partner“, „Lehrer im Team“, „Schule macht sich stark“, Schul-Sponsoring, Wettbewerbe wie „Beste Schule“ oder „Bester Lehrer“, „Gebäudemanagement“, „Eigenverantwortliche Schule“, QVP, SEIS und so weiter...
Die Angebote erschienen uns dabei oft interessant und waren inhaltlich z.T. bemerkenswert, auf alle Fälle waren sie besser als all das, was das chronisch unterfinanzierte System Schule sonst so zu bieten hatte. Denn diese Unterfinanzierung legt mir als Kollegen nahe, alles abzugreifen, was Hilfe für den Unterricht oder Geld für die Schule bringt. Diese Angebote erscheinen inzwischen fast unverzichtbar für eine gut funktionierende Schule. Außerdem weiß ich als versierter Kollege ja, wie ich mit solchen Angeboten umgehe und dass ich mich keinesfalls von außen beeinflussen lasse.

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Dieser pragmatisch-naive Umgang mit privaten Anbietern hat aber seinen Preis. Der ist zwar meist nicht direkt zu spüren, jedoch fällt zum Beispiel auf, dass bei vielen dieser Angebote der Name Bertelsmann-Stiftung auftaucht. Aber ich weiß ja, dass Stiftungen uneigennützig agieren, also ist doch alles in Butter - mir geht es ja nur um die Qualifizierung meiner Schüler.
Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass hinter den Stiftungen große Unternehmen oder hinter den PPP-Angeboten private Anbieter stecken mit spezifischen Eigeninteressen, die durchaus nicht automatisch mit dem Bildungsauftrag der Schulen harmonieren. Aber worum geht es? Dass die Unternehmen mit den Schulen Gewinne machen wollen, wird ja wohl niemand behaupten können. Es sei denn, sie lassen sich ihre Aktivitäten von den Länderhaushalten finanzieren – und dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle.

Strategisch, aber auch schon heute, tut sich im Bildungsbereich ein riesiger Markt auf, der erst erobert werden will. Wenn die weltweiten Bestrebungen, den Dienstleistungsmarkt, also auch den Bildungsmarkt, zu privatisieren, sich immer weiter realisieren, wird Bildung zur Ware, kann man damit Geschäfte machen. Bildung und Ausbildung sollen etwas kosten und kein frei zugängliches Gut mehr sein, zumindest qualitativ gute Bildung nicht. Dieser Markt wird von den interessierten Unternehmen vorbereitet, man zieht sich künftige Kunden heran und beeinflusst wie Bertelsmann die Richtung, in die die Privatisierung sich bewegen soll. Das deutsche Schulwesen befindet sich inzwischen mitten in diesem Prozess, auch jeder einzelne Kollege. Am schönsten wäre es natürlich, wenn die „Kunden“ und die Akteure in der Schule das gar nicht genau erkennen, finden die involvierten Unternehmen und Stiftungen.
Genau hier möchte die Schul-Privatisierungs-Konferenz am 27.4.09 in Bremerhaven ansetzen: Wie weit sind die direkten und indirekten Privatisierungsprozesse vor Ort vorangeschritten und wie soll/wird es weitergehen? Sind wir dem allem schutzlos ausgeliefert oder können wir etwas dagegen tun? Und was?
Nach einem grundsätzlichen Eingangsreferat geht es in thematisch differenzierte Workshops, deren Arbeitsergebnisse anschließend im Plenum vorgestellt und bezogen auf mögliche Alternativen diskutiert werden.
Veranstalter sind die Antibertelsmann- Arbeitsgruppen der GEW in Bremerhaven und Bremen, die sich von der Konferenz konkrete Schritte zum Aufhalten des Privatisierungsprozesses vor Ort erhoffen.

Veranstaltung:

Schul-Privatisierungskonferenz am 27.4.2009,
9-16 Uhr

GEW-Landesverband Bremen
Ort: LFI Bremerhaven, Deichstr. 37

Wie weit sind die direkten und indirekten Privatisierungsprozesse in der Schule vorangeschritten? Bestandsaufnahme, Perspektive und kritische Auseinandersetzung.

Anmeldung:

Anmeldungen bitte über die GEW-Geschäftsstellen in Bremen und Bremerhaven
oder direkt an pfleiderer [at] nord-com.net

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