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16.10.2008 Stufenschule

von Jürgen Burger
Der Grundgedanke der Stufenschule ist höchst einfach und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der US-Militärregierung in dieser Einfachheit formuliert: „Volksschule und Höhere Schule sollen zwei aufeinanderfolgende Stufen sein und nicht zwei verschiedene Arten oder Gütegrade der Erziehung.“

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Das von 1975 bis 1980 unter großem organisatorischen und finanziellen Aufwand in Bremen eingeführte Stufensystem war in diesem Sinne konzipiert: Idealtypisch gibt es in jedem Stadtteil etwa vier Grundschulen, zwei integrierte Sek.I-Schulen und ein Oberstufenzentrum. Diese kooperieren miteinander und sichern so durchgängige Bildungswege im Stadtteil ab.
Dieses theoretisch durchdachte, an internationalen Vorbildern und den Empfehlungen des Deutschen Bildungsrats orientierte Konzept litt bereits in den 80er Jahren daran, dass die versprochene Integration der Sekundarstufe I nicht realisiert wurde. Die Folge für die SchülerInnen: Ein doppelter Wechsel der Lerngruppe nach Klasse vier und Klasse sechs, am Ende der Orientierungsstufe. Vor allem dieser Umstand brachte das „unvollendete“ Stufensystem pädagogisch in Verruf.
Die Zeit der Ampelkoalition und der Großen Koalition (1991-2007) war charakterisiert durch politische Tauschgeschäfte, bei denen zwar einige Sek.I-Zentren integriert, aber im Gegenzug isolierte Gymnasien wiedergegründet wurden. Somit ist das Bremer Stufensystem heute stark beschädigt – aber selbst die Große Koalition konnte es nicht bis auf die Grundmauern niederreißen. Allerdings: Durch die Fülle der systemwidrigen „Reformen“ hat es eine überregional fast einmalige Unübersichtlichkeit erreicht.

Die rot-grüne Koalition ist mit dem Anspruch angetreten, die Sekundarstufe I schrittweise zu integrieren (Stichwort: „Eine Schule für alle“). Hierfür bietet das Bremer Schulsystem immer noch ausreichende Möglichkeiten: Die Integration von Schulzentren der Sekundarstufe I kann durch Politik und Behörde ebenso gefördert werden wie eine integrativere Arbeit in den Gymnasien. Die Kooperationsbeziehungen im Stadtteil können verbessert werden, um die Übergänge zu erleichtern. Ein solcher „evolutionärer“ Weg war in der Koalitionsvereinbarung angedeutet.
Dies alles hat eine entscheidende Voraussetzung: dass nicht Konkurrenz, sondern Kooperation das Klima zwischen den Schulen prägt. Im Moment erleben wir das Gegenteil. Was jetzt von Senatorin und Bildungsbehörde unter dem Emblem „Zwei-Säulen-Modell“ betrieben wird (insbesondere die Schaffung neuer stufenübergreifender Langformschulen) verschärft die Konkurrenz, löst die alten Probleme nicht und schafft zusätzlich neue. Der Flickenteppich wird noch scheckiger, auch wenn er das Etikett „Oberschule“ bekommt.
Wer bei der Integration nicht am vorhandenen Stufensystem anknüpft, begeht einen strategischen Grundfehler, der uns alle teuer zu stehen kommen kann.

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