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16.09.2007 Tanz integriert und befreit

von Karen von Frieling und Angelika Wunsch
„Die PISA-Studie brachte ans Licht, dass Kinder Probleme haben, komplexe Informationen zu dechiffrieren und eigene Lösungswege zu entwickeln.
Demgegenüber argumentieren Gesundheitsexperten, Neurobiologen, Erziehungs-wissenschaftler und Künstler aus jeweils unterschiedlicher Perspektive, dass Tanz und Bewegung umfassende Auswirkungen haben –sowohl auf die kreative, geistige und körperliche Entfaltung als auch auf das soziale Lernen und Stärkung der Persönlichkeit.
Die Entscheidung der Kulturstiftung des Bundes dem Tanzplan Deutschland den Tanz bis zum Jahre 2010 mit rund 2,5 Millionen Euro zu fördern, setzt in unserem Land einen gewichtigen kulturpolitischen Akzent.“ (Reader zum Schultheater der Länder 2006)

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hat ein Programm zur Förderung kultureller Bildung an der Ganztagsschule entwickelt, das beispielhafte Initiativen fördert, anderen zum Start verhilft und gemeinsame Erfahrungen publik machen will.
Im Themenatelier „Kulturelle Bildung“ wurde in diesem Schuljahr besonders Augenmerk auf Kooperationen zwischen Schule und außerschulischen Partnern gelegt. Neben drei weiteren Bundesländern (Hamburg: Theater, Berlin: bildende Kunst und Sachsen: Literatur) wurde Bremen für dieses Programm ausgewählt und repräsentiert den Themenschwerpunkt „Tanz“.

Ziel ist es, parallel zur Erarbeitung eines Tanzstückes die Kooperationsstrukturen zu reflektieren und Grundlagen zusammen zu tragen, die anderen Schulen die Umset-zung ihrer Projektideen mit außerschulischen Partnern aus Kunst, Kultur und Jugendhilfe erleichtern, erfolgreich aufbauen helfen und langfristig sichern. Ziel ist es auch, die Erfahrungen aus den Kooperationen transparent zu machen und Wissenstransfer zu ermöglichen, damit Schulen von Schulen lernen.
Neben 3 anderen Projekten aus Bremen/Bremerhaven wurde unter anderem die Gesamtschule Mitte mit ihrem „Tanzprojekt“ ausgewählt.

Seitenabschnitte:
1. Projektbeschreibung
2. Soziale Ziele
3. Qualitätsmerkmale, die wir an unsere Arbeit stellen (Auswahl)

 Tanz_GSM.pdf
 Vollständiger Artikel
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1. Projektbeschreibung

„Fremdkörper“
Ein Tanztheaterprojekt der GSM und tanzwerk Bremen
Karen von Frieling (Musiklehrerin an der GSM)
Anne-Katrin Ortmann (Tänzerin) und Alexander Hauer (Schauspieler, Tänzer, Cho-reograf) vom tanzwerk Bremen – Zentrum für zeitgenössischen Tanz

Das Tanzprojekt ist über einen Zeitraum von 2 Jahren angelegt. Es findet im 6. und 7. Schuljahr statt.
Im ersten Jahr sollen vorrangig Basiselemente des Tanzes vermittelt werden. Im 2. Jahr können die Schüler und Schülerinnen dann den „Tanzkurs“ Interessen orientiert den Kurs wählen.

6. Schuljahr:

In dem 6. Jahrgang haben die Schüler und Schülerinnen zwei Stunden Projektunterricht.
Den Projektunterricht nutzten wir KlassenlehrerInnen um Basiswissen in verschiedenen Breichen zu vermitteln. Hierfür wurden die drei sechsten Klassen in 4 Gruppen aufgeteilt (Klassen übergreifend, 16-17 Schüler und Schülerinnen pro Gruppe – insgesamt 66 Schüler und Schülerinnen).
Die Schüler und Schülerinnen durchliefen innerhalb dieses Schuljahres 4 verschiedene Kurse (Computer, Kunst, Europa und Tanz), die jeweils acht Wochen dauerten, danach fand ein Wechsel der Kurse statt.
Am Ende des achtwöchigen Tanzkurses präsentierten die Schüler und Schülerinnen ihre Choreographie der nachfolgenden Gruppe.

Was wurde gemacht:

  • Die Schüler und Schülerinnen erlernten einen gemeinsamen Tanz (den Dance 4 life-Tanz), aber es blieb auch Freiraum für eigene Ideen und Gestaltung
  • sie setzten sich mit dem Thema Ausgrenzung auseinander und bauten es in eine Choreographie mit ein (z.B. verschiedene Standbilder)

Ziele des achtwöchigen Tanzprojektes:

  • Lust auf Tanzen wecken
  • S. sollen eine Idee vom Tanz bekommen
  • Entstehung einer Choreographie kennen lernen
  • Einen festgelegten Tanz lernen
  • Freiraum für eigene Ideen und Choreographien haben
  • Raumpositionen kennen lernen
  • Wie kann man mit Tanz eine Geschichte erzählen
  • Tanz als neue Ausdrucksmöglichkeit für sich entdecken
  • Sich gegenseitig Feedback geben können (neue Kriterien für Tanz entwickeln)

Lerntagebuch:
Sie führten ein Lerntagbuch, in das eingetragen wurde, was sie gemacht haben:

  • was habe ich heute gemacht, zu welchem Thema habe ich gearbeitet
  • was war neu oder fremd
  • welche Ideen habe ich mit eingebracht
  • wie sieht meine Choreographie aus?
    Versuche aufzuschreiben, zu zeichnen,
    finde Worte dafür oder zeichne deinen Weg
    für die Präsentation im Raum
  • welche Geschichte erzählst du mit deinem Tanz

Das Tagebuch hat die Größe DINA 5- Format, linke Seite ist zum Schreiben, rechte Seite zum Zeichnen.

7. Schuljahr: Tanz und Musik – „Fremdkörper“

Im 7. Jahrgangs werden fünf verschiedene Wahlpflicht II-Kurse angeboten, unter anderem der WP II-Kurs „Tanz und Musik“ , den die Schüler und Schülerinnen nun In-teressen orientiert wählen können.
In der 6. Klasse haben sie eine Idee von Tanz bekommen und können sich nun ganz bewusst und „freiwillig“ für den Kurs entscheiden.
Angedacht ist eine mobile Tanzprojektion zu entwickeln, „Tanz im Klassenzimmer“ , die in jedem Klassenraum einer Schule aufgeführt werden kann.
D.h. in dem zweiten Förderjahr werden den Schüler und Schülerinnen intensiver Methoden und Techniken für choreografische Arbeit vermittelt. Sie erhalten Basiswissen in Zeitgenössischer Tanztechnik, Improvisation und Komposition.
Sie sollen und müssen ihre Ideen mit einbringen, das Stück möglichst selbstständig entwickeln, so dass wir als Teamer die Berater- und Unterstützerrolle einnehmen können.
D.h. die Förderung kreativer und sozialer Fähigkeiten sind wichtige Aspekte unserer Arbeit.

Die begleitende Musik sollen die Schüler und Schülerinnen selber entwickeln, komponieren und spielen. Neben den künstlerischen Zielen sind die sozialen Ziele eine Voraussetzung um Prozess orientiert zu arbeiten.

2. Soziale Ziele

  • Entwicklung eigenverantwortlichen und selbst bestimmten Lernens
  • Entwicklung sozialer Kompetenzen
  • Entwicklung kreativer Ausdrucksmöglichkeiten
    (in Tanz, Stimmbildung, Rollenarbeit, Figurenfindung)
  • Akzeptanz der Schüler und Schülerinnen innerhalb der Gruppe
  • Arbeiten in Teams
  • Kompromissbereitschaft
  • Entwicklung der Persönlichkeit (Selbst- und Fremdwahrnehmung)

Die Unterstützung durch die DKJS bedeutet nicht nur einmalige Zahlungen, sondern auch Teilnahme an den zweimal im Jahr stattfinden Treffen in Berlin. Mit den anderen Projekten aus den Bundesländern werden z. B. Qualitätskriterien entwickelt und zum Jahresabschluss sind einige Schüler und Schülerinnen mit eingeladen, um ihre Tänze, Theaterstücke, Bücher ... zu präsentieren.

3. Qualitätsmerkmale, die wir an unsere Arbeit stellen (Auswahl)

Qualität ist für uns, wenn ...

  1. den Schülern ein kreativer Bewegungsraum ermöglicht wird, sie Freude am gemeinsamen Bewegen haben, sich neue Welten erschließen und mit dem Körper lernen und begreifen können.
  2. alle Schüler einen Zugang zu Tanz und Bewegung abseits der klischeehaf-ten Vorstellung (Ballett oder Clipdance auf MTV) erhalten und ihr Wissen über Tanz erweitern.
  3. neue Wege einer gemeinsamen Arbeit zwischen Schüler/innen und Künst-ler/innen/Lehrer/innen gefunden werden und eigene Arbeitsanteile von den Schüler/innen selbst kreiert und neue Handlungsstrategien erprobt werden
  4. Schüler/innen was Neues, aus sich selbst heraus zu schaffen und etwas Eigenes (Authentisches) darstellen

Es braucht Zeit, den Tanz als eigenständige Sprache zu verstehen. Schüler sollen in einen Entwicklungsprozess eintreten. Qualitativ anspruchsvolle Ergebnisse sollen erarbeitet werden, die gezeigt werden, um andere neugierig zu machen und ihnen den Tanz nahe zu bringen.
Das tanzwerk bremen will den Nachwuchs in großer Bandbreite erreichen und weiterführende Angebote für interessierte und talentierte Jugendliche schaffen. Darüber hinaus den Tanz zum festen Bestandteil in Schulen machen.

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