zur Startseite
Pfad zur Seite:Startseite - Publikationen - BLZ - BLZ Archiv - BLZ Dezember 2008 - 16.12.2008 Unterricht kann nur im Unterricht se...

16.12.2008 Unterricht kann nur im Unterricht selbst verändert werden“

Interview mit Franz Wester, Abteilung Schulentwicklung/Personalentwicklung im LIS, Leiter des Referates Schulentwicklung
Die Fragen stellten Martina Hilmer und Jürgen Burger

Seitenabschnitte:

 Interview_Fortbildung.pdf
 Vollständiges Interview
zum Downloaden

Herr Wester, die Bremer Schullandschaft gleicht zurzeit einer Großbaustelle. Der Fachausschuss „Schulentwicklung“ hat eine ganze Reihe von Empfehlungen herausgegeben. Was bedeutet das für das LIS?
Ich finde, dieser Fachausschuss hat gründlich gearbeitet, durchdachte Empfehlungen gegeben und vor allem die Arbeit auch sehr gut dokumentiert.

Wie für die Schulen bedeuten sie auch für uns im Landesinstitut eine Herausforderung. Ich kann darstellen, in welche Richtung unsere Überlegungen zu einem Unterstützungsangebot für die Schulen gehen. Angesichts der Fülle von Aufgaben und angesichts der Kapazitäten des Landesinstituts werden wir Schwerpunkte setzen müssen. Die Empfehlungen des Fachausschusses legen aus meiner Sicht nahe, zunächst den Fokus auf die Unterrichtsentwicklung in der Eingangsphase der Sekundarstufe I zu richten. Da geht es als erstes um die Sicherung der Qualifikation von Lehrerinnen und Lehrern in den Bereichen Diagnose und Förderung, Binnendifferenzierung und Individualisierung im Unterricht. Hinzu kommen aus meiner Sicht die Bereiche kooperatives Lernen und Leistungsbewertung bzw. Leistungsrückmeldung. Für die Arbeit im 5. und 6. Jahrgang gibt es vielfältige Erfahrungen der Kollegien, aber auch hier wird man Dinge wieder auffrischen oder auch Neues hinzunehmen müssen. Für die notwendige Qualifizierung stellen wir uns ein zentrales Angebot vor.

Gibt es denn schon Schulen, die konkret angefragt haben?
Schulentwicklung fängt ja nicht jetzt erst an. Wir sind bereits bei einer Reihe von Schulen, um die es jetzt geht, mit Schulentwicklungsberatern tätig. Außerdem gibt es in den meisten Schulen der Sekundarstufe seit der Erarbeitung der Schulprogramme Steuergruppen. In den Schulen geht jetzt darum, die Gruppen evtl. zu ergänzen und mit der Unterstützung der Beraterinnen und Berater einen schulischen Entwicklungsauftrag zu formulieren.

Wir arbeiten zurzeit sehr stark mit den Steuer- bzw. Initiativgruppen. Im Prozess werden wir unser Angebot zur Begleitung voraussichtlich besonders an die Jahrgangsteams richten, immer ausgehend von konkreten Unterrichtssituationen und mit der Erweiterung der Kompetenzen im Blickfeld. Dieser Prozess bringt langfristig den größten Erfolg.

Es geht auch nicht darum, dass wir „das Rad“ neu erfinden. Die Methoden, um die es geht, sind weitgehend bekannt. Es handelt sich nicht um die eine Methode, die dann sicher zum Erfolg führt oder darum, nun unbedingt die 5. und 6. Methode einzuführen, sondern es geht um die Qualität in der praktischen Umsetzung im Unterricht.

Einen entscheidenden Schritt sehe ich darin, dass die Kolleginnen und Kollegen nicht mehr in erster Linie von der Fachsystematik, sondern von den Schülerinnen und Schülern her fragen: Wie weit ist unsere Gruppe, und welche Methoden sind notwendig, damit ein Lernfortschritt stattfindet? Ich denke, das ist eine Aufgabe, die längerfristige Begleitung braucht, und hierauf müssen wir konsequent die Kapazitäten konzentrieren. Die Jahrgangsteams werden meines Erachtens die Träger der Unterrichtsentwicklung sein müssen, nicht das gesamte Kollegium.

Wir haben durch den langen Einstellungsstopp eine große Generationenlücke in den Kollegien. Führt das nicht zu Schwierigkeiten und Ängsten?
Alle Kolleginnen und Kollegen mit ins Boot zu bekommen, ist vor allem Aufgabe der einzelnen Schule. Dieser wichtige Schritt darf in den Schulen nicht übersprungen werden, auch wenn die gesetzten Zeiträume sehr kurz sind. Wenn ein Antrag geschrieben wird, muss sich die Schule fragen: Reicht das, was wir jetzt methodisch in der Schulentwicklung anpacken, um einen tief greifenden Wandel zu erreichen?

Wenn man in andere Bundesländer schaut, dann kann man sehen, dass erfolgreiche Fortbildungskonzepte einen gewissen Zeitraum brauchen. Das zeigt z. B. ein Werkstattbericht der Bertelsmann-Stiftung, an dem ich für das LIS mitgewirkt habe, zu der Frage, wie Schulen von einer Datenerhebung zu Prozessen der Unterrichtsentwicklung kommen. Das bestätigt z. B. auch das Projekt „Lehrer im Team“, das in Bremen nach fünf Jahren Laufzeit mit nachweisbaren Wirkungen abgeschlossen wurde. Mein Fazit aus den Beobachtungen: Man kann nicht nur in der Eingangsphase Qualifizierungsmodule anbieten, sondern muss auch Zeit und Unterstützung auf verschiedenen Ebenen einer Schule geben, sie in Planung und Entwicklung umzusetzen. Und danach muss sich eine Reflexionsphase anschließen, in der sich evtl. auch noch zusätzliche Anforderungen zeigen. Und noch eines hat das Projekt „Lehrer im Team“ gezeigt: Die einzelne Schule kann am besten entscheiden, wo sie Unterstützung und Ressourcen braucht. Sie muss sie dann aber auch am Ergebnis messen lassen.

Wie soll das bei so vielen Schulen bewältigt werden?
Da sehr viele Schulen der Sekundarstufe I in den nächsten zwei Jahren mit dem Reformprozess beginnen werden, erfordert das eine sehr genaue Planung. Es ist, denke ich, vor allem eine Frage des Einsatzes der Ressourcen, nicht so sehr der Organisation. Mit den entsprechenden Ressourcen, auch für externe Berater, wenn unsere Kapazitäten nicht reichen oder unsere Kompetenzen nicht passen, können wir für die Starterschulen für das Jahrgangsteam 5 Beratung in einem bestimmten Umfang durch ein Tandem mit Schwerpunkten jeweils in der Unterrichts- und Organisationsentwicklung anbieten. Und für die Steuergruppen Unterstützung durch Schulentwicklungsberater. Ich meine, angesichts der grundlegenden Bedeutung dieser Entwicklung sollte die Priorität eindeutig bei den vorgesehenen Starterschulen liegen. Aber wir müssen natürlich auch aufpassen, dass die in anderen Schulen begonnenen Prozesse nicht durch eine Verlagerung der Kapazitäten abgebrochen werden.

Wichtig ist, dass die entsprechenden Teams in den Schulen rechtzeitig benannt werden, und zwar Teams aus denjenigen Kolleginnen und Kollegen, die die Fortbildung jetzt unmittelbar brauchen und die sich langfristig als professionelle Lerngemeinschaft verstehen. Schließlich kann die Veränderung des Unterrichts letztlich nur im Unterricht selbst erfolgen.
Übrigens sind wir im LIS gerade dabei, die „Werkstatt Unterrichtsentwicklung“ aufzubauen, eine Lernumgebung für Lehrkräfte und Pädagogen in den Schulen, mit der wir diese Arbeit unterstützen wollen. (Siehe „Werkstatt Unterrichtsentwicklung“ )

Vielen Dank für das Gespräch.

SucheHilfeEmailSitemap
Suche,Hilfe,Email,Sitemap