| von Bernd Winkelmann Landesvorstandssprecher | |
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| Mit der Änderung des Bremischen Lehrerausbildungsgesetzes, das der Senat im Mai 2006 verkündete, wurden u.a. folgende Ziele verbunden:
- die Einbindung der Bremischen Ausbildung in eine europäische Vereinheitlichung durch Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen;
- eine stärkere Praxisorientierung durch verbindliche Praktika während des Studiums und eine gestiegene Verantwortung der Schulen für die Ausbildung in der zweiten Phase (Referendariat).
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| Erste Erfahrungen in der zweiten Phase
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| Im Hinblick auf das zweite Ziel lassen sich erste Erfahrungen benennen:
- Mentorinnen und Mentoren üben weiterhin eine wichtige Funktion bei der Ausbildung der ReferendarInnen aus. Deren Entlastung entspricht ansatzweise einer alten gewerkschaftlichen Forderung, die allerdings schon lange vor Änderung des Ausbildungsgesetzes ihre Berechtigung hatte;
- die Reduzierung der Hospitationen durch die MitarbeiterInnen des Landesinstituts ist eine politische Entscheidung. Als Bezug dafür wird das „Tormin-Gutachten“ genommen. Die Unternehmensberatung hatte diesen Teil der Ausbildung der Referendare um 35 % gekürzt. Die Praxis zeigt, dass das jetzt noch vorgehaltene Zeitkontingent nicht reicht. Soll es in der Lehrerausbildung um Qualität gehen, muss ein abgestimmtes und verwobenes Arbeiten zwischen Schulen und LIS gewährleistet sein. Auch dies kostet u.a. Zeit;
- die ReferendarInnen „bezahlen“ derzeit den Preis für die Entlastung ihrer MentorInnen: Ihr bedarfsdeckender Unterricht wurde von acht auf zehn Stunden erhöht. Dies bedeutet schlicht eine Steigerung der Arbeitsbelastung, da kein anderer Bestandteil von Ausbildung oder Prüfung (Lehrproben, schriftliche Hausarbeit, mündliche Prüfungen) reduziert wurde. Die ReferendarInnen erleben die mangelnde „Passung“ ihrer neuen Ausbildungsordnung hautnah. Den echten Konflikt, bestens präpariert in den Unterricht gehen und gleichzeitig die Anforderungen beispielsweise einer wissenschaftlichen Hausarbeit überzeugend erfüllen zu wollen, tragen sie mit sich selber aus.
Die Forderungen der GEW bleiben eindeutig: Rücknahme der Erhöhung des bedarfsdeckenden Unterrichts und mehr Zeit für die an der Ausbildung beteiligten KollegInnen.
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| Widersprüche der ersten Phase
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| Das erstgenannte Ziel, die europäische „Harmonisierung“, scheint schlüssig. Die föderale Vielfalt der bundesrepublikanischen Lehrerausbildungsrealität verläuft dem jedoch entgegen. Beispielsweise werden in Baden-Württemberg Grund- und Hauptschullehrkräfte in 6 Semestern nach alter Lehramtsordnung ausgebildet, in Hamburg in 9,5 Semestern. Nach der Umstellung auf Bachelor/Master gibt es Varianten von 6+2 Semestern (z.B. in Rheinland-Pfalz) über 6+3 (in Brandenburg) bis 6+4 (in Sachsen). In Bremen allerdings bahnt sich ein Widerspruch neuer Qualität an: Die Wiedereinführung der klassischen Lehrämter steht im Widerspruch zu den schulpolitischen Entwicklungsperspektiven der Gewinner der Bürgerschaftswahlen vom Mai 2007. Im BLZ-Gespräch mit den BürgerschaftskanditatInnen erklärten SPD und Grüne eine gemeinsame Schule für alle bis Klasse 10 zu ihrem Hauptziel (vgl. Heft 5/07). Soll ein derart integriertes Schulsystem Wirklichkeit werden, ist eine Ausbildung nach alten Lehrämtern Unsinn. Nicht begründbar ist dann ebenfalls die Unterscheidung zwischen „kleinem“ (6+2 Semester) und „großem“ Master (6+4 Semester) für Lehrkräfte, die in unterschiedlichen Jahrgängen arbeiten. Die letzte Änderung der Lehrerausbildung in Bremen zeigt hier ihren wahren Charakter:
- Das ganz alte Prinzip „kleine Kinder – kürzere Ausbildungszeit ihrer LehrerInnen“ wurde bekräftigt und
- sollte die Abstufung dieser KollegInnen auf A12 (im Vergleich zur Stufenlehrerausbildung legitimieren).
- Entgegen der offiziellen Lesart, ein gymnasiales Lehramt von Klasse 5 bis 12 löse die Übergangsproblematik zwischen den Sekundarstufen I und II, stärkt diese Lehrerausbildungsstruktur ein „zweigliedriges“ Schulsystem mit gymnasialer und nicht-gymnasialer Ausrichtung und damit nicht die im Koalitionspapier veröffentlichten Vorstellungen von SPD bzw. den Grünen.
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| Die aktuelle Organisation der Lehrerausbildung steht damit im Gegensatz zur bildungspolitischen Perspektive einer „Schule für alle“. Das geänderte Ausbildungsgesetz vom Mai 2006 ist grundlegend zu überarbeiten. Die GEW fordert eine gleichwertige wissenschaftliche Ausbildung aller Lehrkräfte auf Grund der Gleichwertigkeit der pädagogischen Arbeit. A13 für alle ist dann eine konsequente Folgerung.
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