| von Martin Korol | |
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| Es ist eine Binsenweisheit, dass ein Lehrerkollegium heterogen besetzt sein sollte: Jung und Alt sollten vor der Klasse stehen, Frauen und Männer, die eine eher streng, der andere eher liebevoll und jede Lehrkraft ein eigener Charakter mit eigener Weltanschauung, eigenen Neigungen und Begabungen. So begegnen unsere SchülerInnen am ehesten dem Typen von Mensch, in dem sie sich wiederfinden, wie ihrem Gegentyp, von dem sie sich eine Scheibe abschneiden mögen. Immer ein bisschen.
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| In der BLZ-Ausgabe vom August 2009 beschreibt nun der Kollege Jafer Akhzarati, welchen Bedarf an Lehrkräften mit Migrationshintergrund er in unserem Schulsystem sieht. Er kennt sich in der Materie aus und beleuchtet eine Situation, die uns Deutschen mehr aus unserer Sicht denn aus der von Zuwanderern bekannt ist. Akzerati hält eine „nachhaltige Fokussierung der Bildungspolitik auf Schulerfolge der Zuwandererkinder im Rahmen der Bildungsplanung und Schulentwicklung“ für nötig, die erfordere, den Anteil an Lehrkräften mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Das belegt er mit Zahlen. Ein Drittel der SchülerInnen in Deutschland (32.5 % der 0-6 jährigen und 27,2 % der 25 jährigen) habe einen Migrationshintergrund, aber nicht einmal 1,0 % der LehrerInnen habe eine Migrationsbiographie. Nun legte bekanntlich kein deutsches Bundesland auf die Förderung von SchülerInnen mit Migrationshintergrund mehr Wert als unser kleines Bremen, das damit aber fürchterlich Schiffbruch erlitt. Akhzarati sieht den Grund dafür in einem Zuwenig an Lehrkräften mit Migrationshintergrund, die es der Schule ermöglichen würden, auch Sprachunterricht in der Herkunftssprache anzubieten; wo das nicht geschehe, sei das ein „Ausdruck einer negativen Wertschätzung“. Wohlan, ein hehres Ziel, aber mir ist nicht klar, wie das laufen könnte: In Bremen sind immerhin SchülerInnen aus bis zu 70 Ethnien mit noch mehr Muttersprachen zu beschulen und zu unterrichten. Sollen alle Muttersprachen angeboten werden oder nur die der Ethnien, die bei uns stark vertreten sind? Oder sollen, im Gegenteil, diejenigen SchülerInnen durch einen Unterricht in ihrer Muttersprache gefördert werden, die in Bremen selten vertreten ist? Ich halte Akzeratis Forderung für überhöht und verfehlt, getarnt durch eine gängige Phrase. Mit Sicherheit wäre ein Mehr an Lehrkräften aus aller Herren Länder eine Herausforderung für die deutschstämmigen SchülerInnen. Doch von den SchülerInnen mit Migrationshintergrund würden wahrscheinlich eher nur diejenigen das Angebot „Unterricht in der Muttersprache“ wahrnehmen, die ohnehin talentiert, wissbegierig, fleißig und erfolgreich sind, als diejenigen, die bisher wenig Interesse zeigen, ihre Sprachprobleme und Bildungsferne anzugehen.
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| Kollege Akhzarati selber stellt fest, dass „trotz großer Bedarfslage an Beratung und Unterstützung zu wenige MigrantInnen (sowohl SchülerInnen als auch ihre Eltern) die Angebote der schulischen und außerschulischen Unterstützungssysteme in Anspruch nehmen“. Den Grund dafür sieht er darin, dass es „einerseits eine Vertrauensbarriere und andererseits einen Mangel an Professionalität der interkulturellen Kompetenzen“ gebe. Entsprechend sei der Migrantenanteil bei den Lehrkräften zu erhöhen, Lehrkräfte sollten zwischen Schule und Migranteneltern vermitteln und in der Lehreraus- und Fortbildung solle „interkulturelle Kompetenzen verankert werden“. Auch das klingt zunächst gut, aber beim genaueren Hinhören nach Grundsatzpapier und Oberfläche. Da wird schlicht ein Holzweg gewiesen. Solche Forderungen machen SchülerInnen und Eltern, um die es angeblich geht, zu Objekten von Politik. Nun sind aber auch MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund Subjekte, die nur dann etwas lernen für ihr Leben, wenn sie selber ein Interesse daran haben und mutig und selbstbewusst genug sind, ihren eigenen Weg durch die Schule zu gehen anstatt auf Trampelpfaden, planiert von guten Menschen. Neu war für mich, dass, so Akhzarati, in Deutschland 500.000 zugewanderte AkademikerInnen leben, deren Abschluss nicht anerkannt wird – „durch unverständliche Bürokratie seit Jahren“. Sie sollten, meint er, in den Schuldienst eingestellt werden. Quoten für Migranten wären wünschenswert. Das, denke ich, ist so unsinnig wie die Erfindung der „Quotenfrau“. Es wird auch nicht nötig sein, Jetzt schon ist absehbar, dass die Zahl der deutschstämmigen Lehrkräfte immer mehr nachlässt und dass in die Lücke, die da entsteht, immer mehr Lehrkräfte aus dem Ausland und eben vor allem Lehrkräfte mit Migrationshintergrund eingesetzt werden. Unter dem Strich sehe ich den Vorschlag des Kollegen Akhzarati positiv. Ich traf im Ausland viele einheimische LehrerInnen, die weit gebildeter waren als viele unserer deutschen KollegInnen, die AA und KMK dorthin entsendet hatten, und die selbstbewusster gegen unberechtigte Ansinnen ihrer Vorgesetzten, SchülerInnen, Eltern und PolitikerInnen auftraten und aufmuckten als jene. Ich kann mir vorstellen, dass es darum auch dem Kollegen Akhzarati geht.
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